Klaus Schnellenberg schaffte den Absprung
Die deutsche Sekte “Colonia Dignidad” sorgte jahrzehntelang für Schlagzeilen. Seit 1996 auf der Flucht, konnte ihr Gründer Paul Schäfer erst 2005 verhaftet werden. 2006 wurde er wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern und illegalem Waffenhandel zu 20 Jahren Haft verurteilt. Der deutsche Wanderprediger Schäfer gab vor, in seiner Colognia Dignidad, zu Deutsch “Kolonie der Würde”, in Chile mit tüchtigen Siedlern ein gottgefälliges Leben zu führen. Doch er verantwortete ein Schreckensregime, dem besonders die Kinder, die getrennt von ihren Familien lebten, zum Opfer fielen.
Die Zahl der deutschen Unterstützer der chilenischen “Colonia Dignidad”, der “Kolonie der Würde”, schien lange übermächtig neben anderen CSU-Vorsitzender Franz Josef Strauß, ZDF-Moderator Gerhard Löwenthal, der Königswinterer Kriegswaffen-Händler Gerhard Mertins, der damalige Siegburger Bürgermeister und CDU-Bundestagsabgeordnete Adolf Herkenrath sowie diverse deutsche Botschafter in Chile. Die Sekte stand im Zentrum dutzender Verfahren, neben anderen wegen Verstoßes gegen die Menschenrechte, weil die Sekte mit der von 1973 bis 1990 herrschenden Militärjunta des Diktators Augusto Pinochet paktierte. Die Sekte unterhielt enge Beziehungen zur Junta und soll deren Geheimpolizei auf ihrem Gelände die Folter politischer Gefangener ermöglicht haben.
Klaus Schnellenkamp ist eines der Opfer. Er sagt, mit fünf Jahren habe er zum ersten Mal Zwangsarbeit ableisten müssen: “Man steht auf dem Acker, sammelt Steine, hackt Wurzeln aus dem Boden oder gräbt Löcher für einen Zaun. Ohne einen Schluck Wasser. Dann wird man nach Hause getrieben wie eine Viehherde. Ich bin dann in die Toilette, um was zu trinken und dabei erwischt worden. Es gab Überwachungskameras. Daraufhin wurde ich ausgepeitscht. Als Fünfjähriger!” Sein Urteil über die Sekte heute: “Colognia Dignidad war eine Kolonie der Versuchskinder, ein Laboratorium der Big-Brother-World von morgen.”
Kirchensumpf: Wen die ganze Geschichte von Klaus Schnellenkamp interessiert, der findet sein Buch, aber auch weitere Buchempfehlungen, auf unserer Buchseite über die Colognia Dignidad.



