Zum 1. April sollte der klare Eichstätter Wunschkandidat Ulrich Hemel sein neues Amt antreten. Bald wurde allerdings bekannt, dass der Vatikan seine Zustimmung zu der Personalie verweigert hat. Papst Benedikt XVI. wollte die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) zu einer der besten Hochschulen Deutschlands machen. Welcher Art die Bedenken gegen Hemel sind, wurde nicht mitgeteilt. Der Vorgang gilt selbst in Kirchenkreisen als ungewöhnlich. Dort wird nicht ausgeschlossen, dass der aus Bayern stammende Papst Benedikt XVI. persönlich in die Angelegenheit eingebunden ist. Dass die Bedenken mit dem Privatleben des früheren Topmanagers – Hemel ist bereits zum dritten Mal verheiratet – zusammenhängen, ist aber nicht belegt. Außerdem gilt Hemel als Kritiker von Papst Benedikt XVI. So hatte Hemel kurz nach der Papst-Wahl im April 2005 in einem Interview der “Süddeutschen Zeitung” unter anderem gesagt, Joseph Ratzinger sei ein “wacher Geist, hochgebildet”, habe sich aber “sehr deutlich an die Spitze einer konservativen Bewegung in der katholischen Kirche gesetzt und sich teilweise zu fast schon radikalen Urteilen hinreißen lassen”.
Hemel gilt als brillanter Theologe und als Grenzgänger zwischen Kirche und Wirtschaft; 2003 wurde er zum “Manager des Jahres” gewählt. Somit wird der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke Hemel nicht zum Präsidenten ernennen, ohne allerdings irgendwelche Gründe zu nennen. Vor allem der Regensburger Oberhirte Gerhard-Ludwig Müller habe Hemel abgelehnt und in Rom interveniert. Somit ist wieder einmal vom Vatikan verhindert worden, das ein etwas aufgeschlossener gläubiger Mensch die Führung in einer katholischen Universität übernimmt. Ja, das Verlassen des Mittelalters fällt der katholischen Kirche auch im 21. Jahrhundert sehr schwer.
Mai 09




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