Rohstoffhändler Vatikan

Geld und Gold, sie sind nicht wirklich wichtig. Armut ist Seelenheil, denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher durch die Himmelstür. Auf diese alte biblische Weisheit hat Papst Benedikt XVI. jetzt hingewiesen, aufgerüttelt durch die internationale Finanzkrise genommen. Der frühere Chefinquisitor der katholischen Kirche und spätere Popstar verwies darauf, dass es Werte gebe, die wesentlich wichtiger als Geld seien:

„Wir sehen jetzt durch den Zusammenbruch der großen Banken, dass Geld einfach verschwindet, dass es nichts bedeutet, und dass alle Dinge, die uns so wichtig erscheinen, in Wirklichkeit zweitrangig sind.“

Weil das so ist und die katholische Kirche deshalb bald auf alle irdischen Besitztümer verzichten wird, hat der Vatikan Ende September noch einmal richtig Geld in Rohstoffe gesteckt. Die Kurie kaufte rund eine Tonne Gold, um ihr Vermögen vor der bereits absehbaren Krise zu schützen, berichtet das britische Wochenmagazin “The Tablet”. Gut so, denn wer nichts hat, kann auch auf nichts verzichten und nichts mit Ärmeren teilen. So zeigt das klare Anlageverhalten der katholischen Kirche, dass das Wort des Papstes seinen Gläubigen etwas gilt: Geld bedeutet nichts, Vertrauen alles und hier wird gelebt, wie geredet wird. Das Vermögen des Kirchenstaates wird auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt, davon sollen rund ein Drittel Wertpapiere und 340 Mio. Euro Devisen sein. Der Vatikan kommentiert die Daten nicht. Seit die Vatikan-Finanzen vor knapp 30 Jahren durch angeblich unsaubere Machenschaften, wie etwa Geldwäsche und mafiöse Verstrickungen, in das Kreuzfeuer der internationalen Kritik gerieten und der damalige Verantwortliche, der US-Erzbischof Paul Marcinkus ins Exil entsandt wurde, ist es um die Vermögenswerte des Kirchenstaates ruhig geworden. Auch die Tatsache, dass der Vatikan in Italien keine Immobiliensteuer zahlt, hat in den letzten Monaten nicht nur in Rom sondern auch in Brüssel für Ärgernis gesorgt.

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