Ein weiteres Mal berichtet das bundesdeutsche Fernsehen, diesmal die ARD, mit einer Dokumentation vom 15.04.2009, auch leider wieder erst um 23.30Uhr, über das düstere Kapitel der Heimerziehung der 50er und60er Jahre. Sie werden geschlagen, gedemütigt, missbraucht und müssen hart arbeiten: Heimkinder in der Bundesrepublik. Sie kommen ins Heim, weil sie nicht den Vorstellungen ihrer Eltern nach Ordnung, Moral und Angepasstsein entsprechen. So wie Wolfgang Focke, der insgesamt zwölf Jahre in mehreren evangelischen Heimen Schlägen, Demütigungen und Missbrauch ausgesetzt ist. Seine Mutter will ihn nicht mehr, sein Stiefvater schlägt ihn. Die Oma alarmiert das Jugendamt. Wolfgang Focke erzählt von seinen Erfahrungen, Ängsten und von seiner Knast-Karriere nach den Heimen. Er berichtet von mehrfachem Missbrauch in verschiedenen Heimen, vor allem durch einen Heimleiter. Danach gab’s immer Schokolade. Heute, mit 62 Jahren, will er endlich Entschädigung für diese Zeit und für die Arbeit, die er in den Heimen hat leisten müssen.

Der Petitionsausschuss der Bundesregierung hat nun ihr Leid anerkannt. Ein Runder Tisch unter Vorsitz der ehemaligen Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer soll Lösungen erarbeiten, wie mit diesem düsteren Kapitel der Nachkriegsgeschichte und den Forderungen der Heimkinder nach Entschädigung für die geleistete Arbeit und das Unrecht, das ihnen widerfahren ist, umgegangen werden soll. Doch schon macht das Familienministerium, das den Runden Tisch organisiert, einen Rückzieher, wenn es um Geld geht; genauso übrigens wie die Kirchen und Firmen, die sich nicht zuständig fühlen. Gehen die ehemaligen Heimkinder wieder mal leer aus?
Kirchensumpf: Im Jahre 2008 strahlte das ZDF, auch zu mitternächtlichen Stunde, eine ähnlich erschütternde Dokumentation “Zucht und Ordnung – Im Namen von Kirche und Staat” aus.