Für’s “hillije Kölle” war es anscheinend eine kaum erträgliche Provokation, daß ein Bus voll mit AtheistInnen frech und frei durch die katholischste aller Städte mit der Aufschrift fahren konnte: “Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott”. Gerne hätten einflußreiche Institutionen dieser Stadt, an vorderster administrativer Front das städtische Ordnungsamt, die Heimsuchung durch die “Buskampagne” des “Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten” (IBKA) am letzten Wochenende gleich ganz verboten. Das Ordnungsamt grummelte im Vorfeld der Buskampagne gegenüber den Veranstaltern ganz offen, eigentlich wolle man so etwas in Köln nicht haben. Allein schon die These, daß der erwähnte “Gott” – mit erkenntnistheoretisch höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit – nicht existiere, könne insbesondere in unserer katholischen Stadt eine “Beleidigung” darstellen. Ein Argument, das freilich für totalitäre Wahn- und Herrschaftssysteme aller Art kennzeichnend ist: Kritik, ja überhaupt schon die Erkennbarkeit einer anderen Meinung als der vorgeschriebenen, ist verbots- und verfolgungswürdige “Beleidigung”. Was Ralph Giordano auf einer “kritischen Islamkonferenz“ im Jahre 2008 recht pauschal “dem Islam“ vorwarf, erwies sich mithin, ansatzweise wenigstens, als Realität, nach der man nicht in angeblichen “Parallelgesellschaften“ suchen muß, sondern die man direkt im Paralleluniversum des Kölner Ordnungsamtes wiederfindet. Kriminalisierung religionskritischer Meinungen ist also nicht nur in historischen Dokumenten über die Heilige Inquisition nachzulesen, sondern gehört zum mentalen Standard im Ordnungsamte der Stadt Köln anno 2009. Daß diese Behörde im Demokratieverständnis eher vordemokratischer Epochen verharrt, kennzeichnet deren “Organisationsprofil“, neudeutsch: Corporate Identity, unter der Amtsleitung des Herrn Kilp allerdings ohnehin notorisch. Davon können etwa Walter Herrmann oder der “Q-Hof“ so manches Lied singen. Leider war das Kölner Ordnungsamt gehindert, dem von ihm vermuteten Gottesgesetz wunschgemäß genüge zu tun und den beelzebübischen Atheistenbus aus den heiligen Kölner Mauern zu verbannen. Leider nämlich gibt es da noch so etwas wie ein Grundgesetz, ärgerlicherweise, das jedenfalls vorerst noch Restbestände sogenannter “Grundrechte” enthält. Unter anderem garantiert es Grundrechte, die beispielsweise Papst Gregor XVI. im Jahre 1832 als „Wahnsinn“ geißelte und Pius IX. – der das Dogma von der “päpstlichen Unfehlbarkeit” erfand – 1864 als „Verwirrung und Ordnungslosigkeit“ verfluchte – wie zum Beispiel Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit. Letztere, um das gleich insbesondere dem Ordnungsamte der Stadt Köln zur Kenntnis zu geben, bedeutet übrigens nicht nur die Freiheit zur Religion, sondern auch das Recht auf Freiheit von Religion, was unerhörterweise auch das Recht einschließt, eine religionslose, ja religionskritische Haltung sogar öffentlich zu bekunden. Noch aber wird es bis zur Wiederherstellung einer grundrechtsbereinigten obrigkeits- und gottgefälligeren Ordnung ein Weilchen brauchen. Und so bleibt vorerst notfalls nichts anderes übrig, als die öffentliche Äußerung nicht genehmer Meinungen widerwillig verkniffen gerade mal so eben zu dulden. So mußte denn sogar das gottergebene Kölner Ordnungsamt sowohl einen Informationsstand des IBKA zwischen Saturn und Kölner Filmhaus als auch die Entweihung des Kölner Straßenpflasters durch den Atheistenbus nicht nur hinnehmen, sondern in Vollzug profaner weltlicher Gesetze sogar genehmigen. Was für eine Selbstverleugnung, was für ein Tort. Ein schwarzer Tag fürs schwarze Köln, und so ließ denn auch der HErr als Ausdruck seines Mißgefallens die Tagestemperaturen ins Eisloch fallen und sintflutartige Regengüsse auf die Domstadt herniederprasseln, die er doch ansonsten mit einer Sonderausgabe des Zentralgestirns verwöhnt. Zum berühmten Sünnsche von Kölle. “Höherenorts” sind anscheinend die erwähnten weltlichen Banalitäten wie insbesondere das Grundrecht auf Bekundung von Unglauben, eben auch noch nicht durchgedrungen. Als Krönung dieses öffentlichen Ärgernisses führte ausgerechnet das lebende Ärgernis Kölner Geld- und Glaubenswächter, der Publizist und Korruptionsexperte Dr. Werner Rügemer, den Atheistenbus auf einer speziellen Route an Orten vorbei, an denen sich speziell kölsche Symbiosen religiöser, politischer und wirtschaftlicher Macht – die populär unter dem Begriff “Klüngel“ firmieren – eingeschrieben haben. Auch das wollte das Kilp-Amt im Vorfeld übrigens eigentlich verhindern, mit dem interessanten Argument, dass eine solche Stadtführung des Kölner Karls-Preis-Trägers des Jahres 2008 eine “Konkurrenz“ zu offiziellen und kommerziellen Stadtführungen darstellen könne.

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