Zweiklassen-Gesundheit
Das es in Deutschland eine Zweiklassenmedizin gibt, ist ja schon länger bekannt. Und es wird jetzt auch schon durch die Krankenkassen offen dafür geworben. So wie die Hanse-Merkur. Im Jahr 1848 gelang es dem ungarischen Arzt Ignaz Semmelweis (Retter der Mütter), die Sterblichkeitsrate junger Mütter in einem Wiener Hospital von rund 12 auf 1,3 Prozent zu senken. Seine Methode: Er wies behandelnde Ärzte an, sich vor den Untersuchungen die Hände zu desinfizieren. Mehr als 150 Jahre ist diese hygienische Errungenschaft alt und Semmelweis ein anerkannter Pionier. Doch wer glaubt, dass in deutschen Krankenhäusern seither in Sachen Hygiene die Dinge zum Besten stehen, sieht sich böse getäuscht. Das führt Meike Hemschemeiers Bestandsaufnahme “Killerbrut” in aller Deutlichkeit vor Augen. Die WDR-Dokumentation begibt sich gemäß Untertitel auf die unsichtbaren Spuren einer “verschwiegenen Katastrophe”. Das Schockierendste: Sie wäre ganz einfach vermeidbar.
Jeder zehnte bis 20. Patient wird laut WDR-Recherchen genau dort mit Keimen infiziert, wo Gesundheit doch eigentlich alles ist: in deutschen Krankenhäusern. 40.000 Patienten sterben jährlich an den Folgen, viel mehr als es Verkehrs- oder AIDS-Tote gibt – ohne dass eine breite Öffentlichkeit Notiz nähme. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, über die Volker Pispers zu Recht Richtiges sagt, sollte sofort zurücktreten, angesichts solcher unhaltbaren Zustände, in deutschen Krankenhäusern. Eins kann man Ulla Schmidt aber nicht vorwerfen, das Fahrtenbuch ihres Dienstwagens kann sie ausfüllen, auch in spanisch. Das deutsche Gesundheitssystem wurde auf dem Altar des schnöden Mammons geopfert.



