[Update 29.11.2009] Weitere unappetitliche Tatsachen aus Irland werden in einem Artikel bei Telepolis unter “Omerta, irisch-katholisch” beschrieben.

Seit Tagen nun schon, überschwemmen Fluten biblischen Ausmaßes, weite Teile der grünen Insel Irland. Und nun hat noch der Bericht einer Untersuchungskommission drei Grundpfeiler von Staat und Gesellschaft erschüttert: Jahrzehntelang haben die katholische Kirche, staatliche Behörden und die Polizei den beinahe schon gewohnheitsmäßigen Missbrauch von Kindern durch Geistliche vertuscht und verschwiegen. Von einer tiefen Schande sprachen bereinstimmend Diarmuid Martin, der Erzbischof von Dublin, und Justizminister Dermot Ahern. Ein anonymer Kirchensprecher nannte es einen “Tsunami” der Schande. Mehrere Jahre lang war eine von der Regierung eingesetzte unabhängige Kommission Vorwürfen von Kindesmissbrauch in der Diözese Dublin nachgegangen und hatte 60 000 Dokumente studiert. Betroffen waren 320 Kinder und 46 Priester. Weitere 450 Männer und Frauen gaben an, als Kinder sexuell missbraucht worden zu sein und erhoben Vorwürfe gegen insgesamt 152 Kirchenangehörige. Sie waren aber nicht Bestandteil der Untersuchung. Die untersuchten Vorgänge erstreckten sich über mehr als ein Vierteljahrhundert – von 1975 bis 2004. Alle vier Erzbischöfe von Dublin, die in dieser Zeit amtierten, waren über den Skandal ganz oder teilweise informiert, ohne jedoch einzuschreiten. Die Hilfsorganisation “One in Four”, die sich um Missbrauchsopfer kümmerte, fordert nun eine Ausweitung der Nachforschungen auf alle Diözesen des Landes. Und erst ein halbes Jahr ist es her, dass eine andere Kommission ebenfalls gewohnheitsmäßigen Missbrauch in kirchlich geführten Kinderheimen und Waisenhäusern aufdeckte. Obwohl Erzbischof Martin schon vorab vorsorglich gewarnt hatte, dass der Bericht viele Katholiken schockieren würde, waren mehrere Einzelheiten dennoch erschütternder als erwartet. So gestand ein Priester den Missbrauch an mehr als hundert Kindern; ein anderer gab zu, während 25 Jahren im Priesteramt sich alle vierzehn Tage an Minderjährigen vergriffen zu haben. Die einst anscheinend allmächtige Kirche hat bereits seit Jahren viel von ihrem politischen und staatlichen Status in Irland eingebüßt. Dennoch sind die meisten Iren nach wie vor gläubige Katholiken, die regelmäßig die Messe besuchen.

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