Quelle: Printausgabe des Spiegels 01/2010 Beitrag “Duschen mit Körperkontakt“
Ein Pfarrer aus dem Bistum Aachen steht im Verdacht, Ministranten belästigt zu haben. Nun droht ihm in Südafrika ein Prozess wegen Missbrauchs. Hat die Kirche zu lange weggeschaut?
Es sollte ein fröhlicher Wochenendausflug werden, nicht weit von Johannesburg in der Nähe eines Sees und von Bergen. Mit Grillen, Pfarrer und vor allem viel Gemeinschaftserlebnis. Am Ende war es ein Alptraum, den die Kommunionskinder der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Johannesburg im Februar 2008 bei einer kirchlichen Freizeit erlebten. Nach der Rückkehr berichteten die Kindern ihren Eltern, was sich nachts im Schlafsaal offenbar mit dem Pfarrer abgespielt hatte. Der Priester habe sich zu ihnen in die Betten gedrängt, sie hätten Angst bekommen und geweint, hätten sich verstecken wollen und fliehen. Als das nicht gelungen sei, hätten sie gemeinsam versucht, den Geistlichen aus dem Bett eines Neunjhrigen herauszuziehen. “Der war so stark, wir konnten den Jungen kaum befreien.” Die entsetzten Eltern schalteten die Polizei ein, die Staatsanwaltschaft in Südafrika übernahm die Ermittlungen. Ende Januar soll über die Anklageerhebung zum Prozess gegen den deutschen Priester Georg K., der seit 2007 die Exilgemeinde in Johannesburg betreut, entschieden werden. Ihm wird sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Die Kirche hat den Mann vorläufig vom Amt suspendiert, die Erstkommunion fand ohne ihn statt. Die deutschsprachige Gemeinde mit ihren 4000 Mitgliedern droht zu zerfallen, nur noch wenige kommen in die Gottesdienste. Zwar schickte die Deutsche Bischofskonferenz, die für Pfarrer in der Auslandsseelsorge zuständig ist, einen Beauftragten nach Johannesburg, um die Wogen zu glätten. Doch der warnte die Eltern vor allem davor, öffentlich über den Fall zu reden. Das könne strafrechtliche Konsequenzen haben. Auch der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, als Vorsitzender der Bischofskonferenz derzeit Deutschlands oberster Katholik, schien die Sache nicht allzu wichtig zu nehmen. Einen Brief der betroffenen Eltern ließ ganzen Beitrag lesen… »



