[Update 02.02.2010] Nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs von Schülern durch zwei Geistliche am Berliner Canisius-Kolleg hat ein weiterer Jesuit sexuelle Übergriffe eingeräumt. Der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, Stefan Dartmann, teilte am Dienstag in München mit, dass sich der Mann zu den Taten bekannt habe, nachdem er von der Beauftragten für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs, Ursula Raue, mit den Aussagen von drei Opfern konfrontiert worden sei, die sich jetzt gemeldet hätten. In einem Fall habe der Beschuldigte die Tat zugegeben. Nach seinen Worten hat er den Geistlichen aufgefordert, Anzeige gegen sich selbst zu erstatten. Dies sei bereits geschehen. Auch habe er den Mitbruder mit sofortiger Wirkung vom priesterlichen Dienst suspendiert.

An einem als Eliteschule geltenden Berliner Jesuiten-Kolleg hat es jahrelang einen sexuellen Missbrauch von Schülern durch Priester gegeben. Der Rektor des Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes, schrieb in einem Brief an 500 ehemalige Schüler, dass mindestens zwei katholische Pater in den 70er und 80er Jahren die Straftaten begangen hätten. “Mit tiefer Erschütterung und Scham habe ich diese entsetzlichen, nicht nur vereinzelten, sondern systematischen und jahrelangen Übergriffe zur Kenntnis genommen”, schrieb Pater Mertes an die früheren Schüler. Vor Journalisten sagte er, im Jahr 2004 erstmals durch zwei Schüler erfahren zu haben, dass diese sexuell missbraucht worden seien. Im Dezember und Januar hätten sich dann im Anschluss an Jahrgangstreffen fünf weitere Opfer – alle sind männlich und heute deutlich über 40 Jahre alt – gemeldet. Laut Mertes sprachen alle sieben Opfer von jeweils einem Missbrauch. Da es sich aber bei den Übergriffen um ein identisches Vorgehensmuster handle, gehe er von deutlich mehr Fällen aus, sagte der Geistliche. Mertes sagte, er sei auf Wunsch der zwei Männer, die ihn als erstes angesprochen hätten, nicht schon früher an die Öffentlichkeit gegangen. Ihn quäle selbst die Frage, ob er nicht schon früher etwas hätte sagen müssen. Wie eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft sagte, übernahm das Landeskriminalamt von Amts wegen Ermittlungen gegen die zwei verdächtigen Männer. Deren Taten dürften allerdings verjährt sein, da es sich laut Raue vom Schweregrad des Missbrauchs her um Fälle handelt, die zehn Jahre nach dem 18. Geburtstag des Opfers verjähren. Nur bei besonders schweren Fällen von sexuellem Missbrauch dauert die Verjährungsfrist 20 Jahre.

[Kirchensumpf] Na bloß gut, das die Opfer, aus verständlichen Scham, mal wieder lange genug gewartet haben. Die Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch gehören abgeschafft!

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