- Die Religion ist Opium für das Volk -
XHTML CSS RSS

Die Dämonen des Benedikt

2 Kommentare »

papstDämon?

In der Missbrauchsaffäre gerät der Papst in Bedrängnis. Hinweise auf den pädophilen US-Priester Lawrence Murphy gingen einst direkt an das Büro von Kardinal Joseph Ratzinger. Donnerstag spätabends ist es schon fast wie Ostern. Der Petersplatz leuchtet, und aufgedrehte Gruppen eines Weltjugendforums feiern singend und klatschend ihren Papst, jene ins Weiß der Reinheit gewandete Gestalt, die gerade vom “Fest der Verkündigung des Herrn” gesprochen hat – “ganz so, als wäre nichts geschehen”. Das sagt Peter Isely. Er steht eine Straßenecke entfernt von dem Spektakel und ist ziemlich entschlossen, dem Papst sein Erlösungsfest zu verderben. Isely ist aus Milwaukee, US-Bundesstaat Wisconsin, gekommen. Ein 49-jähriger Banker mit Stoppelschädel und einer Frage, die ihn umtreibt, seit er 13 ist: “Wieso ist meine Kirche die einzige Institution, in der Kinderschänder weiterbeschäftigt werden?” Peter Isely ist zum ersten Mal in Rom. Die Kapuziner in der St. John’s School for the Deaf, einer Schule für Gehörlose, hatten ihm von der Schönheit der Stadt erzählt, auch jener Mann, der damalige Direktor, der dann etwas tat, was Isely heute als “einem die Seele herausreißen” beschreibt. “Du siehst die Hand, die dir die Hostie reicht, und es ist dieselbe Hand, die dich missbraucht hat.” Schon am Morgen stand Isely mit anderen Opfern auf dem Petersplatz, zeigte Fotos und trug das Seine dazu bei, dass Ihre Heiligkeit ein wenig mehr in jenen Mahlstrom von Schweigen und Aufdecken geriet, der die katholische Kirche in ihre ernsthafteste Krise seit Jahrzehnten gebracht hat. Während auf dem Petersplatz die Kübel mit Olivenbäumen abgeladen wurden, fürs Osterfest, erzählte Isely von “Father” Lawrence Murphy aus Milwaukee: “Dieser Priester hat sich an über 200 Jungen meiner Schule vergangen. Joseph Ratzinger ist verantwortlich dafür, dass dieser Murphy nie seines Priesteramts enthoben wurde.” Er wolle keinen Rücktritt, sagt Isely: “Ich will nur, dass er seine Schuld eingesteht.” Er, der jetzige Papst. Die Affäre um den Missbrauch von Kindern durch Priester hat den Vatikan erschüttert, wie es weder die Regensburger Rede getan hat noch die “Piusbrüder-Affäre” um den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson. Die Vatikan-Zeitung “Osservatore Romano” bezichtigte die Medien deswegen der “klaren und schäbigen Absicht, Benedikt und seine engsten Mitarbeiter um jeden Preis zu schädigen”.
Die Nerven liegen offensichtlich bloß. Die nächste Welle der Aufdeckungen könnte gleich vor den Toren des Vatikans ins Rollen kommen. Denn selbst in Italien, wo ein Großteil der Jugendarbeit in Händen der Kirche liegt, beginnt die Omertà zu bröckeln. Opfergruppen haben sich in Sizilien, der Emilia-Romagna und den Nordregionen gegründet. Für September ist in Verona ein erster Kongress geplant, unter dem Motto: “Auch ich habe Gewalt von Priestern erlitten”. Die Kurie dort hatte jahrelang den Missbrauch taubstummer Kinder in einer Schule von Chievo verschleiert.

Textauszug aus der Printausgabe “Der Spiegel” 13/2010

Scientology greift ARD an

Keine Kommentare »

Die Scientology Kirche Deutschland hat sich gegen den ARD-Film «Bis nichts mehr bleibt» (31. März, 20.15 Uhr) gewehrt. Mit einer eigenen 40-minütigen Gegendokumentation wolle die Organisation ihre Sichtweise darstellen, sagte Deutschlandsprecher Jürg Stettler am Donnerstag in Hamburg. Der «einseitige» ARD-Film sei «Teil einer Kampagne gegen Scientology und stelle die Kirche absichtlich negativ» dar. Jetzt vertieft eine weitere Dokumentation die verfassungs- und demokratiefeindlichen Zielsetzungen der Organisation von Sciontology. In der Reportage kommen hochrangige Scientologen, Sekten-Experten und Aussteiger zu Wort. Ebenfalls zu Wort kommt die Scientology-Kritikerin Ursula Caberta, die bei der Produktion des TV-Dramas als Fachberaterin mitwirkte. Sie bezeichnet Scientology als “verfassungsfeindliche Organisation” und “totalitäres System”.



 

Vatikan – Eine Hand wäscht die andere

Keine Kommentare »

vatikan_agDie Vatikan AG

Gianluigi Nuzzi
Vatikan AG: Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politskandale der Kirche.
336 Seiten, Ecowin Verlag; Auflage: 1., Aufl.
22,50€, ISBN 978-3902404893

Die Vatikanbank wusch jahrelang das Geld der Mafia weiss – mit dem Segen des damaligen Papsts Johannes Paul II. Es sind nicht nur Pädophilie-Skandale, welche die katholische Kirche gerade erschüttern: Das neu erschienene Buch «Vatikan AG» gewährt Einblick hinter die Kulissen der Vatikanbank – und zeigt Sauereien von biblischem Ausmass auf: Milliarden von Euro sind mit dem Wissen von Päpsten und Kardinälen in den heiligen Hallen weissgewaschen worden. Hohe Mafiabosse hätten genauso auf der Kundenliste gestanden wie italienische Ministerpräsidenten. Bereits die Entstehungsgeschichte des Sachbuchs liest sich wie ein Thriller: Renato Dardozzi, ein hochrangiger Manager der Vatikanbank vererbt tausende von Belegen, Briefen und Dokumenten dem italienischen Journalisten Gianluigi Nuzzi. Abgeholt hat der Journalist die Unterlagen in Begleitung zweier Bodyguards. Der siebenfache ehemalige Ministerpräsident Giulio Andreotti habe rund sechzig Millionen Euro über die Bank gewaschen – selbstverständlich unter einem Codenamen. «Omissis» sei sein Deckname gewesen. Und Papst Johannes Paul II, mit bürgerlichem Namen Karl Wojtyla, habe dieses System wissentlich gedeckt. Der Vorteil für die katholische Kirche sei ebenfalls evident gewesen: Man weiss von den verbrecherischen Verstrickungen der Kundschaft – und kann so, falls es vonnöten ist, ebenfalls Druck auf diese ausüben. Hinter den Wänden des Vatikans wurde also nicht nur Geld gewaschen; eine Hand wusch auch die andere.

Ratzinger – Der Schweigsame

Keine Kommentare »

Im Missbrauchsskandal um katholische Geistliche steht erneut auch Papst Benedikt XVI. persönlich am Pranger: Wie die Zeitung “New York Times” unter Berufung auf bislang geheime Kirchenakten berichtet, hat der damalige Kardinal Joseph Ratzinger in den 1990er Jahren nichts gegen einen Priester unternommen, der Jahre zuvor in den USA bis zu 200 gehörlose Jungen missbrauchte. Im Mittelpunkt stand demnach der 1998 verstorbene Priester Lawrence Murphy, der von 1950 bis 1974 in einer bekannten Schule für gehörlose Kinder arbeitete. 1996 habe der damalige Kardinal Ratzinger auf zwei Briefe des damaligen Erzbischofs von Milwaukee, Rembert G. Weakland, zu dem Fall nicht geantwortet, so die New York Times. Aus den Dokumenten geht dem Bericht zufolge hervor, dass drei nacheinander amtierende Erzbischöfe von dem Fall wussten, aber nie die Behörden einschalteten. Ein kircheninternes Verfahren gegen den Priester, der 1998 starb, wurde demnach auf Anweisung von Ratzingers damaligem Stellvertreter eingestellt. Insgesamt wurden nach dem Bericht der Zeitung drei hintereinander amtierende Erzbischöfe in Wisconsin über den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch in Kenntnis gesetzt, jedoch informierte keiner von ihnen die Behörden. So sei Murphy auch nie von einem staatlichen Gericht zur Rechenschaft gezogen worden. Erzbischof Weakland habe die Vorwürfe gegen Murphy 1993 von einem besonders geschulten Sozialarbeiter untersuchen lassen. Murphy habe ausgesagt, dass er etwa 200 Jungen belästigt habe. Er habe aber keine Reue gezeigt. Der Priester sei 1974 in aller Stille in eine Diözese im nördlichen Wisconsin versetzt worden. Dort habe er bis zu seinem Tod weiter in Gemeinden, Schulen und – laut einer Klageschrift – im Jugendstrafvollzug Umgang mit Kindern und Jugendlichen gehabt. Papst Benedikt XVI. war zuvor bereits wegen eines Missbrauchsfalls in seiner früheren Diözese München und Freising unter Druck geraten. Die Erzdiözese hatte in der vergangenen Woche bestätigt, dass der Papst im Jahr 1980 als Erzbischof der Versetzung eines offenbar pädophilen Priesters aus Essen nach München zustimmte, damit dieser dort eine Therapie machen konnte. Er wurde jedoch wieder in der Gemeindearbeit eingesetzt.

Weiterführende Links:
Große katholische Vertuschung von Christopher Hitchens
Vorwürfe gegen den Papst erhärten sich

Das nicht veröffentlichte Deschner-Interview

Keine Kommentare »

Karl Heinz DeschnerKarlheinz
Deschner

Anlässlich des kirchlichen Missbrauchsskandals führte die Deutsche-Presse-Agentur (dpa) ein Gespräch mit Karlheinz Deschner. Offensichtlich waren dessen Antworten jedoch zu pointiert, weshalb dpa plötzlich von der zugesagten Verbreitung des Interviews abrückte. Der Humanistische Pressedienst (hpd) dokumentiert nachfolgend, was deutschen Zeitungslesern vorenthalten wurde.

Herr Deschner, Sie schreiben seit Jahrzehnten eine mehrbändige „Kriminalgeschichte des Christentums“. Hat es Razzien wie im Kloster Ettal in der Kirchengeschichte schon mal gegeben?

Etwas wirklich Vergleichbares kaum, zumindest schweigt meine „Kriminalgeschichte des Christentums“ hierzu ebenso wie meine Sexualgeschichte „Das Kreuz mit der Kirche“. Dazu muss man allerdings bedenken, dass die katholische Kirche – aus bösem Grund – über Jahrhunderte eine eigene Gerichtsbarkeit hatte, mit der man verhinderte, dass derart Belastendes vor den Gläubigen ausgebreitet wurde. Die Heuchelei gehört bis heute zu den widerlichsten, doch wesentlichen Charakterzügen des Christentums. Gemäß der alten Devise „si non caste caute“, wenn schon nicht keusch, dann wenigstens vorsichtig, unterschieden viele Päpste zwischen einer heimlichen und einer bekannt gewordenen Sünde, bei der sie die Strafe verdoppelten, ja verdreifachten. Gegen das Sündigen im Allgemeinen hat man selbstverständlich nichts, im Gegenteil, es ist den Herren sehr willkommen; davon leben sie.

Haben Sie die immer mehr bekannt werdenden sexuellen Missbrauchsfälle an katholischen Einrichtungen überrascht?

Nein, keinen Augenblick, wie gewiss keinen Kenner der kirchlichen Sexualgeschichte. Und längst laufe ich weg oder höre weg, wird das Problem, etwa in den Nachrichten, thematisiert. Überrascht hätte mich dagegen, aufs Äußerste überrascht, der Rücktritt auch bloß einiger Herren in höheren Rängen, wo man immer tut, als seien sexuelle Verfehlungen nur eine Sache des gemeinen Fußvolks!

Ist sexueller Missbrauch ein neues Phänomen in der Kirchengeschichte?

Sexuelle „Fehltritte“ aller Art sind so alt wie die Kirchengeschichte und sie florierten, je christlicher die Welt wurde, desto mehr. Die Klöster waren oft die reinsten Bordelle, doch mussten die armen Nonnen, aus Sittlichkeitsgründen nicht selten sogar der Beichtväter beraubt, auch mit Kindern vorlieb nehmen, mit Vierbeinern. ganzen Beitrag lesen… »


Seite 1 von 3123