Immer mehr Gläubige kehren der katholischen Kirche derzeit den Rücken und reagieren damit auf die nicht enden wollenden Diskussionen um die Missbrauchsfälle in ganz Deutschland. Scharenweise laufen den Kirchen die Schäfchen davon. Die Zehntklässlerin des Gymnasiums „Kolleg der Schulbrüder“, das sich in der Trägerschaft des Schulwerks der Diözese Augsburg befindet, muss am Ende des Schuljahres gehen. Der Grund: Mit ihrer Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, verstößt sie gegen den Schulvertrag. Jeder hat am Religionsunterricht teilzunehmen. Ansonsten ist die „Schülerpflicht nicht erfüllt“, bestätigt Kathi Marie Ulrich, Pressesprecherin der Diözese Augsburg. Dieser Vertragsbruch könne den Schulverweis bedeuten, müsse jedoch nicht. Das Pikante in Illertissen: Als einziges Gymnasium in der Stadt nimmt die Schule auch konfessionslose oder muslimische Kinder auf. Diese erhalten Ethikunterricht als Ersatzfach für den gesetzlich vorgeschriebenen Religionsunterricht. Der Zehntklässlerin nützt diese Ausnahmeregelung jedoch nichts. Denn entscheide sich ein Schüler katholischen oder evangelischen Glaubens bewusst für einen Austritt aus der Kirche und gegen die Teilnahme an den Religionsstunden, dann sei dem Schulvertrag jede Grundlage entzogen, erklärt der Schulleiter des Kollegs, Manfred Schöpplein auf Anfrage. „Schließlich sind wir eine kirchliche Schule.“ Offiziell bestätigen will er den Ausschluss der Schülerin ebenso wenig wie die Informationen aus dem Umfeld des Gymnasiums, wonach mehrere Schüler bereits den Kirchenaustritt erwogen hätten – im letzten Moment aber wieder davon abrückten. Zu schwer wog augenscheinlich der drohende Schulverweis.
[Kirchensumpf] Also nichts in Deutschland – von wegen – Staat und Kirche sind getrennt.
Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hat sich gegen eine generelle finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern in katholischen Einrichtungen ausgesprochen. Ist schon klar. Sonst wäre die deutsche katholische Kirche auch pleite. «Es kann keine pauschale Abfindung geben, die die Vergehen wie auf einer Preisliste aufzählt», betont Lehmann. Er verweist dabei auf die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz von 2002, wonach den Opfern menschliche, therapeutische und pastorale Hilfen zugesagt werden. Finanzielle Unterstützung therapeutischer Maßnahmen sei aber zumindest im Einzelfall möglich. Der Ruf nach einer beinahe ausschließlichen finanziellen Entschädigung jedoch sei «verräterisch». Wenn sexueller Missbrauch eine Verfehlung sei, die schwerste Schäden anrichte, dann sei eine auf Geld zielende Entschädigung «eine grundlegende Verkennung des ethischen Schwergewichts einer solchen Verfehlung und auch der Formen möglicher Wiedergutmachung», betont der Mainzer Bischof. Mit anderen Worten “Missbrauch” schon, “Entschädigung” auf gar keinen Fall. Die Einrichtung eines Kirchenfonds für die Missbrauchsopfer in Anlehnung an den Zwangsarbeiterfonds lehnt Lehmann klar ab. Die beiden Fragen könne man «nicht vergleichen». Seine Bedenken gegen eine finanzielle Entschädigung würden sich durch einen Fonds sogar noch «verstärken». Missbrauch ist auch nicht ganz so schlimm, wie Zwangsarbeit.
Trotz aller Ausreden, hier soll einfach nur ein finanzieller Kollaps der katholischen Kirche verhindert werden. Und für die Opfer sind die Äußerungen eines Kardinals Lehmann nur ein weiterer Schlag ins Gesicht.
Der Gründer der sektenartig organisierten Deutschensiedlung “Colonia Dignidad” in Chile, Paul Schäfer, ist am Samstag im Alter von 88 Jahren gestorben. Der Ex-Nazi, dessen berüchtigte Siedlung unter der Diktatur von General Augusto Pinochet einen privilegierten Status genoss, erlag in einem Gefängnisspital der Hauptstadt Santiago einem Herzleiden, teilten die Behörden mit. Er war wegen Mordes, Folter, sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, Waffenschmuggels und anderer Verbrechen zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Anfang der 1960er Jahre hatte er eine Gruppe religiös geprägter Deutscher und Österreicher, die ihm sklavisch gehorchten, überredet, unter seiner Führung die “Siedlung der Würde” zu gründen. Er spielte sich zum Herren über alle Lebensbereiche der Siedler auf und riegelte das riesige Anwesen hermetisch gegen die Umwelt ab. Während der Militärdiktatur (1973-10) diente die Siedlung auch als Folterlager der chilenischen Geheimpolizei DINA. Nach dem Ende der Pinochet-Diktatur kamen die Verbrechen ans Licht. Schäfer tauchte zunächst unter, konnte aber 2005 in Argentinien festgenommen und später an Chile ausgeliefert und vor Gericht gestellt werden.
Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt gegen einen Priester des Bistums Mainz wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung. Der Mann, der zuletzt als Auslandspfarrer in Washington (USA) arbeitete, wurde vom Bistum inzwischen nach Deutschland zurückgeholt und bis zur Klärung der Vorwürfe von allen Aufgaben entbunden. Womöglich leitet die Staatsanwaltschaft auch Ermittlungen gegen das Schönstatt-Institut in Simmern ein, dem der Pfarrer angehörte. Dort habe man seit 2004 von den Vorwürfen gewusst, heißt es in einer Mitteilung des Bistums. Sie waren der Grund dafür, dass der Priester ins Ausland geschickt wurde. Schon damals soll sich ein Opfer an die Institutsleitung gewandt haben. Der Leiter bat daraufhin den Mainzer Bischof Karl Lehmann, den Priester nicht mehr im Bistum einzusetzen, sondern ihm eine Zeit der Besinnung im Ausland zu gewähren. Nach Mitteilung des Bistums Mainz soll der Pfarrer von Ende der achtziger Jahre bis in die frühen neunziger Jahre sexuelle Beziehungen zu mehreren weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen unterhalten haben, die sich ihm in seiner Eigenschaft als Seelsorger der Schönstatt-Mädchenjugend anvertrauten.
[Update 21.04.2010] Gluck Gluck wech is er! – Abgesoffen!
[Update 20.04.2010] Kirchenvertreter für Rücktritt von Bischof Mixa – ENDLICH!
Alle gehen sie von Board, aber der Kapitän weigert sich. Erst alles geleugnet, dann relativiert und jetzt schon kleinere Sachen zugeben. Und das alles bloß, nur um die Macht nicht abgeben zu müssen. Die Leitung des Kinderheims in Schrobenhausen hat sich von dem Bischof Mixa abgewendet. Ja die ein oder andere “Watsch´n” kann er nicht ausschließen. Aber im gleichem Atemzug sofort wieder relativieren. Das war früher doch gang und gebe! Bloß keine Reue zeigen. Dabei vergibt die Kirche so leicht – fünf Vaterunser und eine wenig in den Klingelbeutel” und alles ist vergessen. Aber er muss ja wie ein bockiger Patriarch auf seinem sinkenden Schiff umhertrampeln und in alle Richtungen Drohungen ausstoßen. Nicht das jetzt allein Politiker seinen Rücktritt fordern, nein auch die Kirche selbst geht so langsam auf Distanz. So äußerte sich die Augsburger Diözesanrätin Elisabeth Mantlik: “Diese Heuchelei ist unerträglich und auch ein Stück Feigheit … ein Trauerspiel!” Wenn Mixa ehrlich mit den Vorwürfen umgegangen wäre, hätte er in irgendeiner Bundeswehrkaserne bis zu seiner Pansionierung noch irgendwelche, bei Soldatenspielchen gequälten Soldaten, trösten können. Jetzt aber wird er ganz einsam und allein mit seinem Schiff untergehen. “Uneinsichtigkeit” heißt das Leck in seiner Bordwand.



