Immer mehr Gläubige kehren der katholischen Kirche derzeit den Rücken und reagieren damit auf die nicht enden wollenden Diskussionen um die Missbrauchsfälle in ganz Deutschland. Scharenweise laufen den Kirchen die Schäfchen davon. Die Zehntklässlerin des Gymnasiums „Kolleg der Schulbrüder“, das sich in der Trägerschaft des Schulwerks der Diözese Augsburg befindet, muss am Ende des Schuljahres gehen. Der Grund: Mit ihrer Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, verstößt sie gegen den Schulvertrag. Jeder hat am Religionsunterricht teilzunehmen. Ansonsten ist die „Schülerpflicht nicht erfüllt“, bestätigt Kathi Marie Ulrich, Pressesprecherin der Diözese Augsburg. Dieser Vertragsbruch könne den Schulverweis bedeuten, müsse jedoch nicht. Das Pikante in Illertissen: Als einziges Gymnasium in der Stadt nimmt die Schule auch konfessionslose oder muslimische Kinder auf. Diese erhalten Ethikunterricht als Ersatzfach für den gesetzlich vorgeschriebenen Religionsunterricht. Der Zehntklässlerin nützt diese Ausnahmeregelung jedoch nichts. Denn entscheide sich ein Schüler katholischen oder evangelischen Glaubens bewusst für einen Austritt aus der Kirche und gegen die Teilnahme an den Religionsstunden, dann sei dem Schulvertrag jede Grundlage entzogen, erklärt der Schulleiter des Kollegs, Manfred Schöpplein auf Anfrage. „Schließlich sind wir eine kirchliche Schule.“ Offiziell bestätigen will er den Ausschluss der Schülerin ebenso wenig wie die Informationen aus dem Umfeld des Gymnasiums, wonach mehrere Schüler bereits den Kirchenaustritt erwogen hätten – im letzten Moment aber wieder davon abrückten. Zu schwer wog augenscheinlich der drohende Schulverweis.
[Kirchensumpf] Also nichts in Deutschland – von wegen – Staat und Kirche sind getrennt.
Apr 30



