Was nützen die besten Worte, wenn sie über die Wirklichkeit hinwegtäuschen? Dieser Spruch des Schriftstellers Kurt Tucholsky bringt die Papst-Erklärung zum tausendfachen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche auf den Punkt. Ja, die Bitte um Vergebung ist natürlich richtig. Sie kommt allerdings reichlich spät und wirkt allein schon deswegen gequält. Ein Schuldeingeständnis sollte es ohnehin nicht sein. Dass Benedikt XVI. zu den notwendigen Konsequenzen, die aus den Verbrechen zu ziehen sind, herzlich wenig gesagt hat, macht deutlich: Er ist ein Gefangener eines katholischen dogmatischen Selbstverständnisses: unfehlbar, unnahbar, unbelehrbar. In der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts ist der Vatikan jedenfalls nicht angekommen und trauert jetzt seit Jahrzenten noch dem Mittelalter nach. Kein Satz zur Aufweichung oder sogar Abschaffung des Zölibats, was auch deutsche Bischöfe schon befürworteten. Die konservativ-autoritären Strukturen der katholischen Kirche bleiben unantastbar. Von der staatsrechtlichen strafrechtlichen Verfolgung bei neuen Missbrauchsfällen will der Papst nichts wissen. Man kann es drehen und wenden wie man will: Für die Öffentlichkeit und auch für die katholische Reformbewegung, war die Messe kein Befreiungsschlag geschweige den ein Aufbruch. Sie hat nur dem Ansehen des Pontifex Maximus weiter geschadet.

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