Schwarze Kassen
Der evangelische Kirchenkreis Herford ist dank einer geheimen Kasse mit knapp 50 Millionen Euro Inhalt nicht so mittellos, wie den 128.000 Gläubigen in den 32 angeschlossenen Kirchenkreis-Gemeinden vorgegaukelt wurde. Die nur scheinbare Mittellosigkeit macht nach Bekanntwerden der Geheimkasse Geistliche des Kirchenkreises Herford fassungslos und die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sprachlos. Ein Sprecher der Rheinischen Landeskirche, deren Präses Nikolaus Schneider zugleich EKD-Ratsvorsitzender ist, kommentierte die über Jahrzehnte hinweg verdunkelte Buchführung im Ostwestfälischen knapp: “Der Ratsvorsitzende achtet das protestantische Prinzip der Selbstständigkeit der einzelnen Landeskirchen, im Übrigen warten die Westfalen nicht auf unsere Ratschläge.” Wie die katholische, so leidet auch die evangelische Kirche an rückläufigen Kirchensteuer-Zahlern. Den Gemeinden des Kirchenkreises waren zuletzt Sparrunden verordnet wurden. Davon war Personal evangelischer Einrichtungen betroffen. Der Vorwurf des Vertrauensbruchs kursiert. Der Superintendent des ins Gerede gekommenen Kirchenkreises, Michael Krause, befürchtet eine “Skandalisierung”, obwohl das Sondervermögen “in guter Absicht” angelegt worden sei. Laut Krause wusste die Kreissynode zu keiner Zeit von dem 1967 mit 1,5 Millionen D-Mark Kirchensteuer-Mitteln bestückten Geheimkonto, das auf knapp 50 Millionen Euro angewachsen ist. Bereichert haben soll sich laut vorläufiger Erkenntnis niemand; die Staatsanwaltschaft wurde von der Westfälischen Landeskirche dennoch eingeschaltet. Am 29. Januar will sich die Kreissynode mit der Angelegenheit befassen.



