Es ist ein Skandal, der Spanien in seinen Grundfesten erschüttert: Jahrzehntelang nahmen die katholischen Eliten des Landes Eltern die Kinder weg und verhökerten sie. Juan Luis Moreno erfuhr am Totenbett seines Vaters, wie viel er ihm wert war. “Wir haben dich für 150.000 Peseten gekauft, von einem Priester”, gestand ihm der 81-Jährige vor ein paar Jahren im Krankenhaus eines Vororts von Barcelona. “Mein ganzes Leben war auf einmal Betrug”, sagt Moreno heute, wenn er an den Moment zurückdenkt, in dem alles zerbrach. Wochen der Lähmung folgten, aber er konnte sich nicht vor der Welt verstecken, wie er es eigentlich gewollt hätte. Denn die Beichte seines Vaters hatte noch eine weitere Lebenslüge aufgedeckt: Auch sein bester Freund Antonio Barroso, ein Spielkamerad noch aus der Sandkastenzeit, war ein gekauftes Kind, ebenso wie Moreno selbst. Auch ihn erstanden dessen Eltern 1969 im nordspanischen Saragossa wie eine Ware; für eine ähnliche Summe, nach heutiger Kaufkraft etwa 18.000 Euro. Moreno vertraute sich Barroso an, und beide beschlossen, ihre leiblichen Eltern zu suchen – was sie fanden, war ein verbrecherisches Netzwerk aus der Franco-Zeit, dessen dunkles Vermächtnis Spanien gerade in den Grundfesten erschüttert. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg nahm das faschistische Franco-Regime ganz gezielt Oppositionellen die Kinder weg. Anfänglich sollten so ausschließlich “rote Eltern” an der Weitergabe ihres Gedankenguts an die nächste Generation gehindert werden, später dann bereicherten sich die katholischen Eliten des Landes auf Kosten derer, die in ihren Augen kein Recht auf Kinder hatten: ledige und damit sündige Mütter. Erfolgte der politische Kinderraub noch offen, wurde er später verheimlicht: Den Müttern wurde erzählt, ihre Kinder wären kurz nach der Geburt gestorben. Über kirchliche Heime wurden die Säuglinge dann an Paare vermittelt, denen gesagt wurde, die Mütter seien minderjährig, drogenabhängig oder Prostituierte. Hebammen, Ärzte, Nonnen, Priester – alle wussten Bescheid, alle wahrten das Schweigen. Ein Schweigen, das auch nach dem Ende der Franco-Diktatur anhielt. “Die Obhut von Kindern war seit Beginn der Franco-Diktatur für die Kirche ein einträgliches Geschäft”, sagt hingegen Historiker Ricard Vinyes. “Für jedes Kind hat sie eine beträchtliche Summe eingestrichen.” Der Professor an der Universität Barcelona hat sich intensiv mit den Fällen beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben: “Die verlorenen Kinder des Franquismus”. Das System funktionierte gut, sagt er, und die Strippenzieher genossen höchste Rückendeckung.

Leser des Kirchensumpf-Blogs wissen schon länger: “Die katholische Kirche war eng mit der Franco-Diktatur verbunden.

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