In einem Beitrag für das Schweizerischen Fernsehen deckt Regina Buol gleich zwei Fälle von Scharlatanerie auf. Auf der Esoterikmesse «Lebenskraft 2011» im Zürcher Kongresshaus zeigt sie exemplarisch, dass die Welt der Esoterik eine Szene des Aberglaubens ist. Zur Messe für Bewusstsein, Gesundheit und Lebenshilfe pilgerten auch 2011 rund 8.000 Besucherinnen und Besucher. Selbst die Messeleiterin Angelika Meier ist auf der Suche und wagt ein Experiment: Durch einen psychochirurgischen Eingriff – eine Operation ohne Skalpell und Narkose – will sie ihre Gallensteine entfernen lassen. Tage später will sie von einem Schulmediziner wissen, ob sie die Gallensteine tatsächlich losgeworden ist. Oh Schock
– leider sind sie noch da. Na das hätten wir ihr auch mitteilen können.
… ach du heiliger Vater?
Belgische Missbrauchsopfer gehen juristisch gegen den Vatikan vor: Der Heilige Stuhl soll per Gerichtsbeschluss offiziell als Mitverantwortlicher für die Sex-Verbrechen des Klerus benannt werden.
Ein römischer Gerichtsvollzieher wird demnächst einen wohl einzigartigen Auftrag zu erledigen haben: Er muss ein gerichtliches Schreiben aus der belgischen Stadt Gent an die Adresse des Heiligen Stuhls, Postleitzahl I–00120 Città del Vaticano, überbringen und sich dort den Erhalt des Schriftstücks bestätigen lassen. Das Besondere daran: Bei dem 40 Seiten starken Dokument handelt es sich um eine gerichtliche Vorladung. Vergangenen Mittwoch präsentierten Vertreter der rund 80 Kläger und ihre Anwälte bei einer Pressekonferenz in Gent ihr Vorhaben. In einer zivilrechtlichen Sammelklage verlangen sie, dass das Gericht die Verantwortung des Heiligen Stuhls für die über Jahrzehnte begangenen sexuellen Übergriffe an Kindern und Minderjährigen feststelle. Geschieht das, wäre der Hauptverantwortliche folgerichtig der Papst. Die Klage bezeichnet zudem alle belgischen Bischöfe und geistlichen Leiter der religiösen Orden als Mitverantwortliche. Es ist in Europa wohl der größte Affront gegen den Vatikan, seit Napoléon Bonaparte Papst Pius VII. im Jahr 1812 in Fontainebleau ins Gefängnis stecken ließ. Dass es zu einer solchen Klage kommen könnte, hatte sich bereits angekündigt. Vergangenen Herbst hatten die Opferanwälte damit begonnen, sich international zu vernetzen. Der US-Anwalt Jeffrey Anderson, der für Missbrauchsopfer insgesamt bereits Entschädigungen in zweistelliger Millionenhöhe erstritten hat, reiste nach Gent und beriet seine europäischen Kollegen. Er selbst versucht, den Vatikan in einigen laufenden Verfahren als Arbeitgeber krimineller Priester zu belangen und zur Herausgabe von Dokumenten zu zwingen.
Der Mann auf dem Heiligen Stuhl hat allen Grund, nervös zu werden, wenn der Gerichtsvollzieher mit einem Brief aus Gent an seine Pforte klopft.



