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Die Spur führt nach Rom

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… ach du heiliger Vater?

Belgische Missbrauchsopfer gehen juristisch ­gegen den Vatikan vor: Der Heilige Stuhl soll per Gerichtsbeschluss offiziell als Mitverantwortlicher für die Sex-Verbrechen des Klerus benannt werden.

Ein römischer Gerichtsvollzieher wird demnächst einen wohl einzigartigen Auftrag zu erledigen haben: Er muss ein gerichtliches Schreiben aus der belgischen Stadt Gent an die Adresse des Heiligen Stuhls, Postleitzahl I–00120 Città del Vaticano, überbringen und sich dort den Erhalt des Schriftstücks bestätigen lassen. Das Besondere daran: Bei dem 40 Seiten starken Dokument handelt es sich um eine gerichtliche Vorladung. Vergangenen Mittwoch präsentierten Vertreter der rund 80 Kläger und ihre Anwälte bei einer Pressekonferenz in Gent ihr Vorhaben. In einer zivilrechtlichen Sammelklage verlangen sie, dass das ­Gericht die Verantwortung des Heiligen Stuhls für die über Jahrzehnte begangenen sexuellen Übergriffe an Kindern und Minderjährigen feststelle. Geschieht das, wäre der Hauptverantwortliche folgerichtig der Papst. Die Klage bezeichnet zudem alle belgischen Bischöfe und geistlichen Leiter der religiösen Orden als Mitverantwortliche. Es ist in Europa wohl der größte Affront gegen den Vatikan, seit Napoléon Bonaparte Papst Pius VII. im Jahr 1812 in Fontainebleau ins Gefängnis stecken ließ. Dass es zu einer solchen Klage kommen könnte, hatte sich bereits angekündigt. Vergangenen Herbst hatten die Opfer­anwälte damit begonnen, sich international zu vernetzen. Der US-Anwalt Jeffrey Anderson, der für Missbrauchsopfer insgesamt bereits Entschädigungen in zweistelliger Millionenhöhe erstritten hat, reiste nach Gent und beriet seine europäischen Kollegen. Er selbst versucht, den Vatikan in einigen laufenden Verfahren als Arbeitgeber krimineller Priester zu belangen und zur Herausgabe von Dokumenten zu zwingen.
Der Mann auf dem Heiligen Stuhl hat allen Grund, nervös zu werden, wenn der Gerichtsvollzieher mit einem Brief aus Gent an seine Pforte klopft.

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Auch in Belgien wird katholisch vertuscht

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Godfried Danneels

Mit einer heimlich gemachten Tonbandaufnahme hat ein Opfer sexuellen Missbrauchs den belgischen Kardinal Godfried Danneels (77) beschuldigt, dieser habe die Verfehlungen eines Bischofs vertuschen wollen. Nach Berichten der Zeitungen “De Standaard” und “Het Nieuwsblad” vom Samstag geht aus der Aufnahme hervor, dass Kardinal Danneels – damals Vorsitzender der belgischen Bischofskonferenz – vorschlug, “den Mantel des Schweigens über diese Sache zu decken”. Danneels bestritt dies. Die Vertuschungsvorwürfe gegen den Kardinal beruhen auf einem Gespräch, an dem der inzwischen zurückgetretene Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe, sowie sein von ihm sexuell missbrauchter Neffe und dessen Familie teilgenommen hatten. Dabei hatte der Kardinal unter anderem das Opfer gebeten, dem Bischof zu verzeihen oder aber zumindest bis zu dessen Pensionierung zu schweigen. Aus dem Mitschnitt, den das Opfer veröffentlichte, gehe die Vertuschungsabsicht eindeutig hervor, berichten die Zeitungen. Vangheluwe hatte öffentlich gestanden, dass 1985 einen Jungen sexuell missbraucht hatte. Danneels war im Januar dieses Jahres aus Altersgründen von seinem Amt als Bischof von Mecheln-Brüssel zurückgetreten.

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