Mai 20
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat bei einem Auftritt bei einer umstrittenen christlichen Gruppierung wieder mal eine Rede geschwungen. Der Regierungschef sollte bei einer Veranstaltung des Arbeitskreises Christlicher Publizisten am Mittwochabend in Bad Gandersheim reden. Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin rät zur Distanz zu dieser Gruppe, die rechte Sichtweisen vertrete. Der Name sei irreführend, seriöse evangelische und katholische Publizisten seien dort nicht vertreten, sagte die Theologin Claudia Knepper von der Zentralstelle. Die Organisation sei immer wieder durch fragwürdige Veröffentlichungen aufgefallen und wolle sich mit bekannten Persönlichkeiten schmücken. Der Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein gehörte auch schon zu solchen illustren Gästen. Aber auch schon der entlassende Bischof PrügelMixa hat sich gerne mal bei christlichen rechtsgerichteten Gruppierungen sehen lassen. Genau wie Bischof Müller sich immer wieder mal für seine reaktionären Vertriebendenverbände einsetzt. In manchen Köpfen der Kirchenmächtigen sind die brauen Gedanken halt noch immer lebendig.
Dez 29
… rechts angehaucht?
Eine Auszeichnung sorgt für Zoff innerhalb der Evangelischen Kirche in Thüringen. Die rechtsgerichtete Zeitschrift „Junge Freiheit“ hatte den Chef der evangelikalen Nachrichtenagentur „idea“ mit einem Preis geehrt.
EISENACH – Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) hat den Leiter der evangelikalen Nachrichtenagentur „idea“, Helmut Matthies und den Vorsitzenden des idea-Trägervereins, Horst Marquardt, zur Rückgabe des Gerhard-Löwenthal-Preises aufgefordert. Die Auszeichnung durch die rechtsgerichtete Wochenzeitung „Junge Freiheit“ berge die Gefahr, „dass die Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus weiter nach unten verschoben wird“, erklärte EKM-Bildungsdezernent Christhard Wagner am Montag in Eisenach. Als Leiter und Chefredakteur setzt Helmut Matthies nicht nur die publizistischen Leitlinien der Zeitschrift ideaSpektrum und der Agentur idea. Er repräsentiert idea auch in der Öffentlichkeit. Mit der Annahme des Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises lässt Matthies die gesamte idea-Redaktion auf dem Grat zum rechtsextremen Milieu balancieren. Wagner betonte, diese Ehrung dürfe nicht unwidersprochen bleiben.
Sep 24

Lügen haben kurze Beine! Der Vatikan hätte nach Angaben eines schwedischen Fernsehsenders über die Holocaust-Leugnung des ultrakonservativen Bischofs Richard Williamson Bescheid wissen müssen, bevor die Exkommunikation des Pius-Bruders im Januar aufgehoben wurde. Der Sender SVT berichtete am Mittwoch, die Information über das am Tag der Rücknahme der Exkommunikation am 21. Januar gesendete Interview mit Richardson sei dem Vatikan bereits unmittelbar nach der Aufzeichnung im November 2008 übergeben worden. Papst Benedikt XVI. hatte Anfang des Jahres die Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Mitgliedern der ultrakonservativen Bruderschaft aufgehoben, um eine seit Jahren andauernde Spaltung in der katholischen Kirche zu überwinden. Nach dem Wirbel um die Äußerungen Williamsons, er glaube nicht, dass im Zweiten Weltkrieg Juden in Gaskammern ermordet worden seien, erklärten Papst und Vatikan, sie hätten davon nichts gewusst. n dem SVT-Bericht, der am Mittwoch gesendet werden sollte, heißt es nicht, dass Benedikt direkt informiert wurde. Die Information sei an Vatikan-Stellen gegangen. Namentlich genannt wurde Kardinal Dario Castrillon Hoyos, der damals die Kommission leitete, die das Schisma mit der Pius-Bruderschaft überwinden sollte. Der Kardinal trat am 8. Juli nach Erreichen der Altersgrenze von 80 Jahren zurück. Am 29. Januar hatte er öffentlich erklärt, der Vatikan habe vor Unterzeichnung des Erlasses zur Aufhebung der Exkommunikation nichts über Williamsons Ansichten zum Holocaust gewusst.
Auch die Diözese Stockholm bestätigte am Mittwoch, die Information über die Äußerungen des umstrittenen Bischofs seien bereits im vergangenen November nach Rom weitergegeben worden. «Natürlich haben wir die Information, die wir hatten, an den Nuntius (den Gesandten des Vatikans in Schweden) weitergegeben», sagte der Stockholmer Bischof Anders Arborelius dem Sender SVT.
Jul 12
Mit Benedikt XVI. hat ein deutscher Papst Israel besucht. Auch wenn der Papst im Heiligen Land die Juden «unsere älteren Brüder» genannt hat, darf das nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ihnen nicht auf Augenhöhe begegnet. Der Grund liegt nicht so sehr in der Begnadigung des Holocaust-Leugners Richard Williamson. Schwerer wiegt, dass Benedikt mit der Zulassung der Lateinischen Messe am Karfreitag wieder für die Bekehrung der Juden zu Christus, dem «Retter aller Menschen», beten lässt. Die katholische Kirche hat eine lange Tradition was den Antisemitismus angeht. Und gerade im zweiten Weltkrieg gab es viele braune Kirchenmänner. Auch in der Jugend des heutigen Papstes Ratzinger, gab es Lehrer die der braunen Ideologie angehängt haben. Als nach der Papstwahl die englische Presse an die Mitgliedschaft des 17-jährigen Ratzingers in der Hitler-Jugend erinnerte, sprachen die deutschen Medien von schlechtem Stil. Für sie ist bis heute auch tabu, dass Ratzinger seine Karriere nazifreundlichen Förderern verdankt. Allen voran dem Regensburger Bischof Rudolf Graber,
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Dez 27

»Ich bin selbst ein deutscher Richter, seit fast 20 Jahren. Ich würde mich nicht noch einmal entscheiden, ein deutscher Richter zu werden. Die deutschen Richter machen mir Angst.«
Prof. Diether Huhn in: ‘Richter in Deutschland’, 1982, zitiert nach: ‘Diether Huhn in memoriam’ von Prof. Dr. Eckhart Gustavus, Berlin, NJW 2000, Heft 1, S. 51
ZEIT, 8.1.1992
Die erstaunliche Karriere des Staatsanwalts Münzberg
Schmerzensgeld für den Täter
Von Otto Köhler
Einmal angenommen, die Vietnamesen und die ZDF-Leute, die vor den Flammen in
das oberste Stockwerk des Hochhauses von Rostock-Lichtenhagen geflüchtet
waren, sie hätten nicht rechtzeitig eine Brechstange gefunden, angenommen,
sie wären verbrannt oder erstickt, angenommen, man hätte Täter festgenommen,
die unter dem Ruf “Tod den Fidschis” den Brand legten, angenommen, der
stellvertretende Generalstaatsanwalt in der Landeshauptstadt Schwerin hätte
darüber zu befinden gehabt, ob gegen die Festgenommenen ein Mord-Verfahren
zu eröffnen sei, angenommen, dieser stellvertretende Generalstaatsanwalt
hieße – im neuen großen Deutschland ist alles möglich – Dr. Helmut Münzberg
mit Heimatstandort in Hamburg – hätten dann die Mörder eine Chance gehabt,
ohne Anklage schnell wieder auf freien Fuß zu kommen?
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