Das Kreuz im Klassenzimmer und der Balken im christlichen Auge: In Regensburg haben die Katholiken die Attacke auf einen Ungläubigen geprobt.
Das Christentum ist Staatsreligion. In allen staatlichen Räumen wie Schulen, Gerichten, Behörden und Theatern hängt daher ein Kreuz an der Wand. Angehörige anderer Religionen und Ungläubige haben dies zu tolerieren.” So lautet bekanntlich Artikel 4 des Grundgesetzes. Zumindest in Bayern. Und schon gleich gar in Regensburg, der Papststadt an der Donau, allwo Seine Heiligkeit bis zum heutigen Tag ein “Häusel” besitzt und Inhaber einer Honorarprofessur ist. Für die letzten rechtgläubigen Katholiken an der Donau Grund genug, die alleinseligmachende Kirche stellvertretend für den abwesenden Herrn Papst heldenhaft zu verteidigen.
Leider ist dafür nur selten Gelegenheit – kein Mensch interessiert sich für die seltsamen Gebräuche der Katholiken, niemand will ihnen irgendwas streitig machen. Oder doch? Da verlangt der Vater eines Schülers des städtischen Albertus-Magnus-Gymnasiums, im Klassenzimmer seines Sohnes solle das Kreuz abgehängt werden! Und was passiert? Das Kreuz wird abgehängt! Skandal! Die Regensburger Christen sehen sich einer Verfolgung ausgesetzt, wie man sie seit Nero beziehungsweise Hitler nicht mehr gesehen hat!
Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Mai 1995 verstößt ein Kreuz in einer staatlichen Pflichtschule, die keine Bekenntnisschule ist, zwar gegen Artikel 4, Absatz 1 des Grundgesetzes; der lautet nämlich zumindest außerhalb Bayerns: “Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.” Doch die bayerische Reaktion auf das Karlsruher Urteil kam prompt; noch im Dezember 1995 erließ Edmund Stoiber ein Gesetz à la Radio Eriwan: Im Prinzip darf in der Schule kein Kreuz nicht hängen, aus Prinzip hängt aber trotzdem eins drin. Die Ausführungsbestimmungen im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz, ein ellenlanger Sermon, verlangen im Fall des Widerspruchs eines Erziehungsberechtigten zunächst eine “gütliche Einigung”. Scheitert diese, hat der Schulleiter “für den Einzelfall eine Regelung zu treffen, welche die Glaubensfreiheit des Widersprechenden achtet und die religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen aller in der Klasse Betroffenen zu einem gerechten Ausgleich bringt”; es folgt abschließend eine Drohung: “dabei ist auch der Wille der Mehrheit, soweit möglich, zu berücksichtigen.” Das Bundesverfassungsgericht hatte eine “gütliche Einigung” ebenfalls diskutiert – und verworfen, da sie logischerweise auf Kosten der nichtchristlichen Minderheit gehe, deren Recht, nicht untergebuttert zu werden, Vorrang habe.
Der als Leiter von Priesterseminar der PIUS-Brüderschaft in Argentinien abgesetzte und aus dem Land gewiesene PIUS-Bruder und Holocaustleugner Richard Williamson hat auf dem Flughafen von Buenos Aires am Dienstag den TV-Reporter Norberto Dupesso von der argentinieschen Fernsehanstalt TN bedroht. Offenbar hatte sich der Geistliche gedacht, unerkannt die Abfertigungshalle durchqueren zu können. Als der TV-Reporter aber nicht locker lässt, verliert Williamson die Kontrolle, dreht sich um und droht dem Mann mit der Faust.
Kirchensumpf: Vielleicht wollte der Richard Williamson dem Mann aber auch nur den Segen erteilen und hat sich in der handlichen Geste vertan. Sowas soll in der Aufregung schon mal vorkommen. Es ist halt nicht leicht, das sonnige Argentinien für immer zu verlassen und zu wissen, das man in das regnerische und graue England reisen muss. Eine Sonnenbrille wird er dort wohl eher selten brauchen!
Am »Fall« des Hiddenseer Pastors Arnold Gustavs (1875-1956) führt die Dokumentation vor Augen, wie die evangelische Kirche in Pommern den NS-Staat stützte und wie pommersche Pastoren NS-Ideologie in ihre Gemeinden trugen. Gerd Richardt hat über den Autor Owe Gustavs und seine Recherchen zum Buch ein sehr gutes Essay geschrieben.
Owe Gustavs Reichsgottesdienst auf Hiddensee 1933 -1945
Gustavs Inselpastor im Dritten Reich
Verlag Lexxion
456 Seiten
ISBN: 978-3939804413, 29,80 Euro
Dokumentiert werden im ersten Teil des Buches die Haltung von Arnold Gustavs und anderen (pommerschen) Kirchenleuten zum Ersten Weltkrieg, zur Revolution 1918 und zur Weimarer Republik, Arnold Gustavs bis Schweden reichende (kirchen-) politische Aktivitäten 1933-1945 sowie das Bestreben der Pommerschen Evangelischen Kirche auf Hiddensee, ihre NS-Vergangenheit zu vertuschen. Der zweite Teil des Buches belegt am Beispiel von drei pommerschen Kirchenblättern (Evangel. Gemeindeblatt für Stralsund, Der Bote für die Pommersche Frauenhilfe, Rügensches Kirchenblatt ) und einem überregionalen Jahrbuch, wie die evangelische Sonntagspresse und andere evangelische Periodika das Kirchenvolk im Glauben an den Nationalsozialismus und den »Führer« bestärkten und zur »Loyalität« gegenüber dem NS-Staat anhielten. Das Buch soll die längst fällige öffentliche Diskussion über das Zusammenwirken der pommerschen Kirche mit dem NS-Regime in Gang bringen.Am Fall des Hiddenseer Pastors Arnold Gustavs (1875 1956) führt die Dokumentation vor Augen, wie die evangelische Kirche in Pommern den NS-Staat stützte und wie pommersche Pastoren NS-Ideologie in ihre Gemeinden trugen.
Der Vatikan-Beauftragte für Menschenrechte, Kurienkardinal Renato Martino, hat den Gazastreifen mit einem Konzentrationslager verglichen. Die Lage in dem Palästinensergebiet ähnele zusehends einem grossen KZ. Dies sagte Martino in einem am Mittwoch von der Online-Zeitung «Il Sussidiario» veröffentlichten Interview. Der Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden fügte hinzu, keine der beiden Konfliktparteien berücksichtige die Interessen der anderen, sondern denke nur an das eigene Interesse. Die Folgen dieses «Egoismus» seien «Hass auf den anderen, Armut, Ungerechtigkeit». Leidtragende sei stets die Zivilbevölkerung. Soweit, so richtig, wenn auch eine sehr vereinfachte Erklärung für die Dauerkrise in Nahost. Der Vatikan verschweigt aber nur zu gern, dass auch er, seinen blutigen Beitrag zum Nahost-Konflikt beigetragen hat. Wir meinen hier die christlichen Kreuzzüge im heiligen Land. Im Jahre 1099 eroberte das Heer der Kreuzritter nach fünfwöchiger Belagerung Jerusalem und richtet ein Blutbad unter den jüdischen und moslemischen Einwohnern an. Die Kreuzfahrerstaaten können sich auf die Dauer nicht halten; 1187 erobert Sultan Saladin Jerusalem zurück. 1291 ist die moslemische Rückeroberung abgeschlossen. Vorrang ging es dem Vatikan um die Vertreibung der Muslime aus dem Heiligen Land Gottes. In Konkurrenz mit wirtschaftlichen Interessen traten die religiösen Motive im Laufe der Zeit teilweise in den Hintergrund – besonders deutlich wird das bei der Eroberung und Plünderung der christlichen Stadt Konstantinopel im Vierten Kreuzzug. Auch der KZ-Vergleich ist aus der Sicht des Vatikans nicht gerade glücklich gewählt, den in der deutschen Nazizeit hat der Vatikan auch eine eher unrühmliche Rolle gespielt.
Ein interaktive Übersicht über die Dauerkrise im heiligen Land gibt es von www.20min.ch.
Datenbank “Religio”, Jena - Das elektronische Informationssystem über Sekten, neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen in Deutschland
Die Laizisten - Petition gegen Religionsunterricht beim Bundestag
Ex-Heimkinder - Ursachen, Folgen und Auswege aus institutioneller Heimerziehung.