[Update 10.12.2008] Rom – Auf dem Petersplatz in Rom haben am Samstag mehrere hundert Menschen gegen die Haltung des Vatikans gegenüber Homosexuellen demonstriert. Es sei eine “schlechte Wahl” der katholischen Kirche, gleichgeschlechtliche Liebe immer noch als Vergehen anzusehen, sagte der Chef der Schwulenorganisation Arcigay, Aurelio Mancuso. Aber nicht nur der Vatikanstaat hat was gegen Homosexuelle, nein auch Russland, Türkei, Irak und viele mehr.
Der Vatikan kritisiert einen Vorschlag Frankreichs, das im Namen aller EU-Mitglieder der UNO ein Projekt zur weltweiten Aufhebung der Strafbarkeit der Homosexualität vorlegen will. Frankreich will am 10. Dezember anlässlich des 60. Jahrestag der UNO-Menschenrechtserklärung seinen Vorschlag zur Aufhebung der Strafbarkeit der Homosexualität vorlegen. Die Position des Vatikans sorgte für heftige Kritik in Italien. “Der Vatikan verteidigt die Todesstrafe für Homosexuelle”, protestierte der italienische Verband für die Rechte der Homosexuellen Arcigay. “Dank des besonderen Status, den der mittelalterliche Vatikan-Staat bei der UNO genießt, kann die Kirchenlobby Druck auf alle Länder ausüben, damit zivile Rechte nicht anerkannt werden. Der Vatikan verbündet sich somit mit Diktaturen jeglicher Art, darunter auch den islamischen”, sagte der Arcigay-Präsident Aurelio Mancuso. Papst Benedikt XVI. hat in den letzten Monaten wiederholt Eheschließungen unter Homosexuellen verurteilt.
Dass Gloria von Thurn und Taxis im Laufe ihres Lebens eine enorme Wandlung durchlaufen hat – vom Punk zur strenggläubigen Katholikin – ist allgemein bekannt. Und auch Kardinal Meisner, für seine mit scharfer Zunge in Sekundenschnelle prächtig gefällten Urteile. “Die Fürstin und der Kardinal” haben gemeinsam ein ebenso genanntes Buch verfasst, und deshalb saßen sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei Sandra Maischberger. Und dort bekam man tiefe Einblicke ins weltfremde Universum von Kardinal Meisner und Fürstin Gloria. Sozusagen Religionsunterricht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Im Blog “Edition Flint” finden sich sehr schöne Beispiele für die unterirdischen Äußerungen der beiden. Meisners Abneigung gegen Homosexualität, sein Kommentar, dass eine Frau nicht Familienministerin werden sollte, wenn sie wie Angela Merkel geschieden sei, und sein Vergleich von den Taten Herodes’, Hitlers und Stalins mit den „millionenfach umgebrachten ungeborenen Kindern“ sowie Äußerungen der Fürstin wie “Kondome schützen nicht vor Aids” oder “Was Aids verhindert, ist, wenn man weniger schnackselt“, lösten doch schon heftige Fluchtgefühle vor dem Fernseher aus. Und das die Gleichsetzung von Abtreibung mit Anti-Baby-Pille Proteste auslöst, dürfte dem aufgeklärten Fernsehzuschauer schon während der Sendung klar geworden sein. In einer tollen exotische Werbeveranstaltung für die katholische Kirche präsentierten sich diesen beiden Vertreter, als mittelalterlich-denkende Relikte. Von Frau Maischberger kann man halten was man will, aber an diesem Abend die Nerven zu behalten, war eine starke Leistung.
Das die katholische Kirche sich nach wie vor im Mittelalter befindet, haben wir ja schon hinreichend bewiesen. Den neuesten Beweis liefert der Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Dieser hat den Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas suspendiert. Der 55-Jährige ist seit 1996 im Amt und vertritt als Bezirksdekan den Bischof im Kirchenbezirk Wetzlar. Sein Frevel: Er hat ein schwules Paar nach dessen standesamtlicher Trauung gesegnet. Die Katholische Lehre lasse eine Segnung homosexueller Lebensgemeinschaften nicht zu. Nach der Zeremonie habe es Proteste von Katholiken, aber auch evangelischen Christen gegeben. Jeder Gläubige sei “verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben”. Die Kirche sehe sich verpflichtet, für Homosexuelle “angemessene Formen der Seelsorge zu suchen”. Um “weiteren Schaden” abzuwenden, habe man den Bezirksdekan abberufen. Nicht die Segnung eines schwulen Paares, sondern das jahrzehntelange Vertuschen von Missbrauchsfällen durch pädophile Priester hätte der Kirche schwer geschadet! äußerte der Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck.
Der 66-jährige Martin Joos macht aus seiner Neigung kein Geheimnis. Auf seiner eigenen Internetseite www.tinjo.ch beschreibt und verteidigt er pädophile Neigungen. Allerdings betont er immer wieder, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Nach eigenen Angaben, die in der schweizerischen Zeitung “Blick” veröffentlicht wurden, hatte er 1985 eine Beziehung zu einem angeblich 15-jährigen Jungen. Dies alles geschah im Jahre 1985. Diese Taten sind demnach nach schweizerischen Recht, verjährt. Brisant wurde jetzt aber die Mitteilung das der 66-jährige ein katholisches Kirchenamt in schweizerischen Murg innehat. Murgs Kirchenratspräsident Urs Lachenmeier hat kein Problem, dass Martin Joos, bekennender Pädophiler ist. “Ich wusste, dass er zu seiner Veranlagung steht.” Er habe aber Verständnis für kritische Fragen. Sabine Rüthemann, Informationsbeauftragte des Bistums St.Gallen, scheint über diese Sichtweise nicht begeistert: “Menschen mit pädophilen Neigungen benötigen therapeutische und seelsorgerische Begleitung. Unabhängig davon, ob sie sich pädophiler Straftaten schuldig gemacht haben oder nicht.” Die Aufsichtsbehörde, der Administrationsrat des katholischen Konfessionsteil des Kanton St. Gallen, ist anscheinend nach eigener Auffassung hier ohne Einfluss.
Der Administrationsrat des katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen nimmt dazu schriftlich Stellung. In der Mitteilung heisst es: “Die Kirchgemeinden sind öffentlich-rechtliche Körperschaften wie die Schul- oder politischen Gemeinden. Sie stützen sich auf staatliches Recht ab. Aufsichtsbehörde ist der Administrationsrat des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen. Ebenfalls eine staatskirchenrechtliche Organisation nach rechtsstaatlichen Prinzipien, ausserhalb des direkten Einflussbereichs der Katholischen Kirche beziehungsweise der Katholischen Hierarchie.”
Auch gibt es eine Stellungnahme des 66-jährigen Martin Joos zu dem BLICK-Artikel.
Gene Robinson ist der erste offen bekennende homosexuelle anglikanische Bischof. Der Mann aus New Hampshire ist der erste zum Bischof erkorene bekennende homosexuelle Geistliche der anglikanischen, nein irgendeiner Kirche auf der Welt. Ein Pionier also, freilich auch ein Pionier der Kontroverse, denn um ihn als Bischof, bei seiner sexuellen Orientierung, wabert und wogt eine zersetzende Debatte. Robinsons sanfte Radikalität zielt auf die kirchlichen Lehrinhalte, vor allem die Verdammung der Homosexualität durch die Bibel, seit 2000 Jahren gepredigt. Der Bischof skizziert die Etappen seiner Selbstfindung: Die Angst vor dem Sich-Outen, der verzweifelte Versuch, heterosexuell zu leben (er war verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter), schließlich die Akzeptanz seiner Selbst. „Homosexualität habe ich mir nicht ausgesucht. Es ist meine Natur!“ So spricht der Bischof seine Botschaft wider alle Phobien der Geschichte, alle Pogrome, die jemals im Namen der Bibel gegen „die Anderen“ geführt wurden. Was ihr in der Bibel lest, es muss nicht so sein – Jonas im Bauche des Wals, Methusalems Alter, oder eben die Verdammung von Menschen, die nichts dafür können, so geschaffen zu sein, wie Gott sie in seiner „Inklusivität“ schuf. „Es ist nicht an uns, zu bestimmen, wer ‚in’ ist und wer ‚out’. Sich unwürdig fühlen, gehört nicht zum Bild der Kirche, wie Gott sie gewollt hat.
Kirchensumpf: Auch die deutschen Kirchen sind, was andersartige Sexualität angeht, immer noch im Mittelalter und Toleranz zu diesem Thema ist beiden deutschen Kirchen fremd.
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