In Deutschland stürzt sich die Presse auf Missbrauchsskandale im katholischen Erziehungsmilieu. Medien wie Kirche betonen das moralisch Verwerfliche der Taten. Empörung allerorten. Wenn man freilich die Diskussion auf Grundsätzliches hin reflektiert, stellt sich eine ganz andere Frage: Entspringt das Verhalten der vorgesetzten kirchlichen Instanzen, ihnen bekannt gewordene Straftaten nicht den Staatsanwaltschaften zu melden, sondern sie interner Behandlung vorzubehalten, womöglich der religiösen Grundüberzeugung, dass die katholische Kirche über ein Recht verfügt, welches sie auch gegenüber dem säkularen Rechtsstaat in eigener Souveränität praktiziert? Die Kirche hat eine eigene, jahrhundertealte Strafgerichtsbarkeit; Höchststrafe ist die Exkommunikation. Das Problem pädophiler Priester ist in diesem Corpus allerdings nicht angemessen berücksichtigt. Im Codex des kanonischen Rechts von 1917 war eindeutig geregelt, dass Kleriker prinzipiell der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen sein sollten. Im Codex von 1983 wird dieser Anspruch, das sogenannte Klerikerprivileg, nicht mehr ausdrücklich erhoben. In theologischer Sicht können Gnade und Vergebung auch nicht einfach an die Stelle der Gerechtigkeit treten.
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Eugen Drewermann
Eugen Drewermann, katholischer Theologe und Psychotherapeut, sprach mit dem Tagesspiegel über den Druck des Priesteramts und Missbrauchsfälle in der Kirche. Eugen Drewermann (69) wurde 1991 die katholische Lehrbefugnis entzogen, ein Jahr später verlor er das Priesteramt unter anderem wegen seiner Haltung zur Moraltheologie des Vatikans.
Die katholische Kirche hat das Bild einer von Gott gesetzten, heiligen Institution. Alle Fehler, die passieren, gehen zurück auf das Konto fehlbarer Menschen – nie auf die Kirche. Die Abspaltung von Institution und Person erlaubt nicht die geringste Erfahrungskorrektur. Es gibt keine Rückkopplung. Es gibt nur zwei Ebenen, die miteinander nicht zusammenkommen können. Das ist ein monolithischer und nach unten hierarchisch organisierter, heiliger Apparat, der Gottes Gnade vom Himmel auf die Erde herab- führen soll. Ganz sicher wird nicht in diesem System darüber nachgedacht werden, wie es selber als System und als Idealsetzung die Ursache für so viel Leid ist. Das kann nicht gedacht werden. Dies ist undenkbar, oder das ganze System würde gesprengt werden durch die Erkenntnis, dass die Sexualmoral verkehrt ist, dass das Papsttum verkehrt ist, dass die Spaltung zwischen Gott und Mensch verkehrt ist, dass der Unfehlbarkeitsanspruch verkehrt ist, dass die Unterdrückung der freien Meinung durch das Gehorsamsgebot menschlich und religiös nicht zu halten ist. Es ist nicht irgendwas, was da falsch läuft, die Frage der Sexualität ist ein schweres Symptom, aber sie ist nur ein Thema. Ein Oberflächensymptom für eine Grundstruktur, die im Ganzen nicht stimmt.
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Weiterer Artikel im “Der Westen” – “Katholische Kirche ist größte Schutzorganisation für Pädosexuelle“

Ein katholischer Orden “Sisters of Mercy” in Irland hat angekündigt, in seiner Obhut misshandelte Kinder mit insgesamt 128 Millionen Euro zu entschädigen. Die Entschädigung solle der “Versöhnung” und “Heilung” dienen, erklärte der Orden der Barmherzigen Schwestern. Die Nonnen fügten hinzu, sie seien “zutiefst traurig” über die von die “von den Kindern durchgemachten Leiden”. Im Mai war der sogenannte Ryan-Bericht veröffentlicht worden, der massiven sexuellen Missbrauch sowie andere körperliche und seelische Misshandlungen von Kindern in katholischen Einrichtungen seit den 1930er Jahren aufdeckte. Darin waren auch die Zustände in mehreren von den Barmherzigen Schwestern betriebenen Schulen kritisiert worden. Die Nonnen hätten dort mit harten Strafen wie Schlägen und Demütigungen in der Öffentlichkeit ein “beständiges Klima der Angst” geschaffen. Vor den Barmherzigen Schwestern hatte im November der Orden der Christlichen Brüder eine Entschädigung misshandelter Kinder in Höhe von 161 Millionen Euro angekündigt. Dem Orden war in dem Ryan-Bericht vorgeworfen worden, sexuellen Missbrauch von Kindern in seinen Einrichtungen zugelassen zu haben. Der Ryan-Bericht hatte Irland tief erschüttert. Eine Kommission unter dem Vorsitz des Richters Sean Ryan hatte neun Jahre lang die Zustände in katholischen Einrichtungen untersucht.
[Update 29.11.2009] Weitere unappetitliche Tatsachen aus Irland werden in einem Artikel bei Telepolis unter “Omerta, irisch-katholisch” beschrieben.
Seit Tagen nun schon, überschwemmen Fluten biblischen Ausmaßes, weite Teile der grünen Insel Irland. Und nun hat noch der Bericht einer Untersuchungskommission drei Grundpfeiler von Staat und Gesellschaft erschüttert: Jahrzehntelang haben die katholische Kirche, staatliche Behörden und die Polizei den beinahe schon gewohnheitsmäßigen Missbrauch von Kindern durch Geistliche vertuscht und verschwiegen. Von einer tiefen Schande sprachen bereinstimmend Diarmuid Martin, der Erzbischof von Dublin, und Justizminister Dermot Ahern. Ein anonymer Kirchensprecher nannte es einen “Tsunami” der Schande. Mehrere Jahre lang war eine von der Regierung eingesetzte unabhängige Kommission Vorwürfen von Kindesmissbrauch in der Diözese Dublin nachgegangen und hatte 60 000 Dokumente studiert. Betroffen waren 320 Kinder und 46 Priester. Weitere 450 Männer und Frauen gaben an, als Kinder sexuell missbraucht worden zu sein und erhoben Vorwürfe gegen insgesamt 152 Kirchenangehörige. Sie waren aber nicht Bestandteil der Untersuchung. Die untersuchten Vorgänge erstreckten sich über mehr als ein Vierteljahrhundert – von 1975 bis 2004. Alle vier Erzbischöfe von Dublin, die in dieser Zeit amtierten, waren über den Skandal ganz oder teilweise informiert, ohne jedoch einzuschreiten. Die Hilfsorganisation “One in Four”, die sich um Missbrauchsopfer kümmerte, fordert nun eine Ausweitung der Nachforschungen auf alle Diözesen des Landes. Und erst ein halbes Jahr ist es her, dass eine andere Kommission ebenfalls gewohnheitsmäßigen Missbrauch in kirchlich geführten Kinderheimen und Waisenhäusern aufdeckte. Obwohl Erzbischof Martin schon vorab vorsorglich gewarnt hatte, dass der Bericht viele Katholiken schockieren würde, waren mehrere Einzelheiten dennoch erschütternder als erwartet. So gestand ein Priester den Missbrauch an mehr als hundert Kindern; ein anderer gab zu, während 25 Jahren im Priesteramt sich alle vierzehn Tage an Minderjährigen vergriffen zu haben. Die einst anscheinend allmächtige Kirche hat bereits seit Jahren viel von ihrem politischen und staatlichen Status in Irland eingebüßt. Dennoch sind die meisten Iren nach wie vor gläubige Katholiken, die regelmäßig die Messe besuchen.
Der Augsburger Bischof Walter Mixa kritisiert den Vorstoß des neuen Präsidenten des Zentralkomitees der Katholiken, Alois Glück, für eine Abschaffung des Zölibats bei Pfarrern. Hoffentlich hat der Mann ein dickes Bankkonto. Denn andere Bischöfe zahlen gerade Millionen an ihre Missbrauchsopfer. Gerade will das katholische Bistum Fairbanks im US-Staat Alaska seinen fast 300 Opfer von sexuellem Missbrauch zehn Millionen Dollar zahlen. Dieses Bistum hatte mit anderen Bistümer aus in San Diego, Portland, Tucson, Spokane, Davenport in diesem Jahr schon mal vorsorglich Konkurs angemeldet. In Irland hat eine irische Ordensgemeinschaft, in der über Jahrzehnte Kinder missbraucht wurden, hat 161 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen angeboten. Aber wir können Herrn Mixa verstehen, in Deutschland kann sowas ja nicht vorkommen, denn hier werden gefallende Priester einfach nur in eine andere Pfarrgemeinschaft versetzt, und BASTA!




