Renato Martino
Der Vatikan-Beauftragte für Menschenrechte, Kurienkardinal Renato Martino, hat den Gazastreifen mit einem Konzentrationslager verglichen. Die Lage in dem Palästinensergebiet ähnele zusehends einem grossen KZ. Dies sagte Martino in einem am Mittwoch von der Online-Zeitung «Il Sussidiario» veröffentlichten Interview. Der Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden fügte hinzu, keine der beiden Konfliktparteien berücksichtige die Interessen der anderen, sondern denke nur an das eigene Interesse. Die Folgen dieses «Egoismus» seien «Hass auf den anderen, Armut, Ungerechtigkeit». Leidtragende sei stets die Zivilbevölkerung. Soweit, so richtig, wenn auch eine sehr vereinfachte Erklärung für die Dauerkrise in Nahost. Der Vatikan verschweigt aber nur zu gern, dass auch er, seinen blutigen Beitrag zum Nahost-Konflikt beigetragen hat. Wir meinen hier die christlichen Kreuzzüge im heiligen Land. Im Jahre 1099 eroberte das Heer der Kreuzritter nach fünfwöchiger Belagerung Jerusalem und richtet ein Blutbad unter den jüdischen und moslemischen Einwohnern an. Die Kreuzfahrerstaaten können sich auf die Dauer nicht halten; 1187 erobert Sultan Saladin Jerusalem zurück. 1291 ist die moslemische Rückeroberung abgeschlossen. Vorrang ging es dem Vatikan um die Vertreibung der Muslime aus dem Heiligen Land Gottes. In Konkurrenz mit wirtschaftlichen Interessen traten die religiösen Motive im Laufe der Zeit teilweise in den Hintergrund – besonders deutlich wird das bei der Eroberung und Plünderung der christlichen Stadt Konstantinopel im Vierten Kreuzzug. Auch der KZ-Vergleich ist aus der Sicht des Vatikans nicht gerade glücklich gewählt, den in der deutschen Nazizeit hat der Vatikan auch eine eher unrühmliche Rolle gespielt.
Ein interaktive Übersicht über die Dauerkrise im heiligen Land gibt es von www.20min.ch.



