Jan 09
Der alte Mann aus dem Vatikan, der den ganzen Tag ein langes weisses Kleid trägt, hat mal wieder gegen die Homosexualität gewettert. Angesichts der ganzen kinderlieben Pfaffen in seiner Sekte ein wirklich amüsanter Vorgang. Der Papst Benedikt XVI hat die 179 im Vatikan vertretenen Diplomaten zur traditionellen Neujahrsansprache empfangen. Das katholische Kirchenoberhaupt nutzte seine Rede nicht nur, um über die Religionsfreiheit und die Wirtschaftskrise zu sprechen sondern äußerte sich auch ungewohnt deutlich zum Thema Homosexualität. In der Ansprache des Papstes heißt es unter anderem, dass die Politik von Ländern, die die traditionelle Familie auf Basis der Verbindung zwischen Mann und Frau in Frage stelle, eine „Bedrohung für die menschliche Würde und sogar für die Zukunft der Menschheit“ sei. In dem Gesagten spiegelt sich nicht nur eine unverfrorene Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen wider sondern auch eine höchst eigenartige Vorstellung darüber, wie sich gleichgeschlechtlich orientierte Menschen unter einer restriktiven Gesetzgebung verhalten. So scheint der Papst ernsthaft davon auszugehen, dass Homosexuelle Menschen dazu übergehen würden, Kinder zu zeugen, wenn man ihnen nur verbietet, ihre ursprüngliche Sexualität auszuleben. Darüber hinaus stellt sich die Frage, was Benedikt genau mit der „Zukunft der Menschheit“ meint. Angesichts von rund sieben Milliarden Weltbürgern davon zu sprechen, dass der Fortbestand der Menschen dadurch gefährdet ist, dass Homosexuelle sich dem göttlich-biologischen Auftrag entziehen, ist lächerlich. Nachvollziehbar wäre diese Auffassung nur dann, wenn der Papst die Menschheit als weiß, westlich und heterosexuell definiert. Lustig bleibt in diesem Zusammenhang, dass innerhalb der katholischen Kirche insgesamt rund 1,2 Millionen Priester und Ordensleute organisiert sind, die sich dem Fortpflanzungsgebot ebenfalls verweigern, wenn sie sich an den Zölibat halten.
Es mag vielleicht vom Oberhaupt der katholischen Kirche zu viel verlangt sein, Homosexualität gutzuheißen. Sich allerdings für Toleranz gegenüber Homosexuellen einzusetzen und sie ausdrücklich in seine Forderung nach Würde, Gerechtigkeit und Frieden einzubeziehen, sollte gerade dem geistigen Führer der Katholiken, wenn schon nicht eine Herzensangelegenheit, dann doch zumindest eine Selbstverständlichkeit sein.
Stattdessen macht sich das vatikanische Staatsoberhaupt, das wir im Bundestag sprechen lassen und dessen Empfängen unsere Diplomaten bereitwillig beiwohnen, selber zum Auslöser von Hass, Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung. In Bezug auf die moralische Bewertung der katholischen Kirche muss sich vor diesem Hintergrund jeder sein eigenes Urteil bilden.
Quelle: Jacob Jung Blog
Jul 26
Der sogenannte Cloyne-Report war die vierte größere Veröffentlichung innerhalb von sechs Jahren über das Vertuschen von Missbrauch in der katholischen Kirche in Irland. In der Diözese Cloyne war Bischof John Magee tätig, dessen Rücktritt Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr akzeptiert hatte. Ihm war nachgewiesen worden, die Untersuchungen fehlgeleitet zu haben. Außerdem wurden ihm “Fehler beim Schutz von Kindern“ vorgeworfen. Der irische Premier Enda Kenny hatte mit Bezug auf den Report dem Vatikan mit ungewöhnlich harschen Worten vorgeworfen, Untersuchungen behindert und die Vergewaltigung von Kindern heruntergespielt zu haben. Anstatt Schritte gegen das Unrecht zu unternehmen, sei der Vorrang der Institution Kirche hochgehalten, ihre Macht und ihr Ruf betont worden. Der Vatikan sei “abgehoben“, sagte der Premierminister. Noch nie zuvor hatte ein hochrangiger irischer Politiker solch harsche Worte in Richtung Vatikan ausgesprochen. Kennys Rüge hatte sich auch Dublins Erzbischof Diarmuid Martin angeschlossen. Daraufhin hat der Vatikan seinen Botschafter in Irland zurückbeordert. Der Heilige Stuhl reagierte damit auf die Veröffentlichung des sogenannten Cloyne-Reports und vor allem auf die nachfolgenden harschen Vorwürfe des irischen Premierministers Enda Kenny.
Jul 15
Für den Besuch einer Messe mit Benedikt XVI. wird eine Anmeldung vorausgesetzt, welche neben Namen und Adresse auch Geburtsdatum und Geburtsort des Teilnehmers abfragt. Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz haben sich derzeit ca. 175.000 Menschen registriert, mit über 200.000 Besuchern wird gerechnet. Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist dies “ganz klar ein Verstoß gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung”, so Dr. Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holstein. Dieser einzigartige Fall, Daten in diesem Umfang zu sammeln, sei unnötig, unverhältnismäßig und ohne Rechtsgrundlage. Eine solche Datenerhebung gleiche einer “unzulässigen Rasterfahndung” und sei ohne Vorbild. Eine Rechtfertigung der Erfassung aller Besucher der Messen ergäbe sich nicht aus einer geplanten Übermittlung der Daten an die Polizei lediglich im Einzelfall. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, hat die Erhebung der Daten als Teil der geplanten Sicherheitsüberprüfungen unterdessen bestätigt. Kopp wies noch einmal darauf hin, dass nicht alle Pilger der geplanten Sicherheitsüberprüfung unterzogen würden, dies wäre schließlich “Datenmissbrauch”. Man plane nur Besucher zu überprüfen, die bei den Papstmessen einen Stehplatz oder Sitzplatz zugeteilt bekämen, “wo der Papst dicht vorbei fährt oder die Kommunion austeilt”. Mit diesem Vorgehen folge man einer Empfehlung der Polizei in Baden-Württemberg um Planungssicherheit zu erlangen. Kopp führte aus, es wäre schließlich einfacher die Daten im Nachhinein zu löschen, als sie kurz vor der Veranstaltung irgendwie erheben zu müssen. Problematisch aus datenschutzrechtlicher Sicht ist die Tatsache, dass die Aktionen der Kirche nicht der Zuständigkeit der staatlichen Datenschützer unterliegen, sondern der von den Bischöfen erlassenen katholischen Datenschutzordnung (KDO). Fraglich ist, ob das Vorgehen nach diesem Recht zulässig ist. Analog zu den staatlichen Regelungen verlangt die KDO, dass so wenig Daten wie möglich erhoben werden und Betroffene konkret in eine Nutzung der Daten einzuwilligen haben. Vorliegend ist fraglich, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind.
[Kirchensumpf] Die Maßnahme ist für uns völlig unverständlich, der Allerheiligste kennt doch alle seine Schäfchen die zum Papstbesuch kommen wollen. Und der Ratzinger-Papst der ja sein Stellvertreter hier auf Erden ist und einen direkten Draht zu seinem Schöpfer hat, könnte sich doch einfach die Liste von IHM aushändigen lassen.
Apr 30
Ein Wunder muss ja sein …
Wenige Tage vor der Seligsprechung von Johannes Paul II. haben prominente Theologen, Politiker und kirchliche Gruppen Vorwürfe gegen den verstorbenen Papst erhoben. Die Kritik richtet sich besonders um das Verhalten des Pontifex gegenüber den Befreiungstheologen Lateinamerikas. In dem ökumenischen Aufruf, den auch der Theologe Hans Küng und CDU-Politiker Heiner Geißler unterzeichnet haben, heißt es, Romero habe 1979 bei einer Papst-Audienz kein Gehör gefunden. 1980 wurde er während einer Messe durch einen Killer der sogenannten Todesschwadronen erschossen. Die Unterzeichner rufen daher dazu auf, am 1. Mai nicht den verstorbenen Papst zu verehren, sondern Romero. Nach Ansicht von Geißler habe Johannes Paul II. die Armen Lateinamerikas durch seine fehlende Unterstützung für Romero “regelrecht verraten”. Der Antikommunismus des früheren Papstes habe zwar zum Fall des Ostblocks beigetragen, doch habe er den Pontifex auch verblendet. Johannes Paul habe “dauernd die Falschen zu Heiligen ernannt”, etwa den wegen seiner Kontakte zu Militärdiktatoren umstrittenen Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá. Johannes Paul habe «ein autoritäres Lehramt ausgeübt» und «die Menschenrechte von Frauen und Theologen unterdrückt», sagte der Kirchenkritiker und Theologe Hans Küng der «Frankfurter Rundschau». Diese dunklen Seiten seien im Seligsprechungsprozess unberücksichtigt geblieben. Der polnische Papst sei «intolerant und unwillig zum Dialog» gewesen. Küng äusserte scharfe Kritik am Vorgehen von Papst Benedikt XVI., der die Seligsprechung seines Vorgängers in Rekordzeit vorangetrieben hatte: «Der Nachfolger spricht den Vorgänger selig? Da geht es doch in Rom zu wie zu den Zeiten der Cäsaren, die den jeweils vorangegangenen Kaiser zum Gott erhoben.» Küng schrieb Johannes Paul II. und seinem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger, dem jetzigen Papst, auch eine systematische Vertuschung des Skandals um tausendfachen sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester zu. Persönlich habe Johannes Paul II. mit dem Ordensgründer Marcial Maciel Degollado einen “notorischen Kinderschänder” geschützt. Der Gründer der Kongregation der Legionäre Christi soll mehrere Seminaristen sexuell missbraucht haben. Johannes Paul II. galt als ein großer Förderer des Ordens. Der Vatikan sieht die Vorwürfe als erwiesen an.
Nov 22
In der Diskussion um die vermeintliche Kondom-Wende geht eines unter: der Papst hat einmal mehr seinen umstritten Vorgänger Pius XII. verteidigt. 14 Zeilen ist er lang, der vermeintliche “Tabubruch” des Papstes und er lässt sich so zusammenfassen: In “dem einen oder anderen” Ausnahmefall – etwa bei homosexueller Prostitution -, wo die Fortpflanzung ausgeschlossen, die Gefahr der Ansteckung mit HIV aber hoch ist, könne ein Kondom der erste Schritt zu einer verantwortlichen, zu einer Sexualität sein. Weiterhin bekräftige erneut der Papst dass sein Vorgänger Papst Pius XII. “mehr Juden das Leben gerettet hat als jeder andere”. Pius XII. war von 1939 bis 1958 Oberhaupt der katholischen Kirche. Ranghohe jüdische Vertreter werfen ihm bis heute vor, seine Stimme nicht oder zu wenig gegen die Vernichtung der Juden durch die Nazis erhoben zu haben. Benedikt hat seinen Vorgänger stets verteidigt. Dieser habe mit stiller Diplomatie sehr wohl versucht, verfolgten Juden zu helfen, so gut das möglich gewesen sei. Bereits 2008, aus Anlass seines 50. Todestages, hatte Benedikt XVI. seinen Vorgänger in Schutz genommen. Eugenio Pacelli, wie der Papst mit bürgerlichem Name hieß, habe sich nachdrücklich für Verfolgte eingesetzt, ohne dabei zwischen Religion, Ethnie, Nationalität oder politischer Orientierung zu unterscheiden, sagte Joseph Ratzinger damals bei der Gedenkmesse im Vatikan. Und er erkannte Papst Pius XII. per Dekret “heroische Tugenden” hinsichtlich seiner Beziehung zu Gott und seinem Glauben zu. Damit rückte der umstrittenste Papst der Kirchengeschichte der Seligsprechung und einer späteren eventuellen Heiligsprechung einen großen Schritt näher. Papst Benedikt ist in der Vergangenheit sowohl von Juden als auch von Katholiken mit Nachdruck aufgefordert worden, die Seligsprechung Pius’ ganz auszusetzen. Zunächst sollten sämtliche Archive zum Zweiten Weltkrieg ausgewertet werden, so die Forderung der Pius-Kritiker. Denn die Akten aus der Amtszeit von Pius XII. wurden noch immer nicht gänzlich für die Forschung freigegeben.