Als die bürgerliche Revolution in Italien 1870 die feudale und weltliche Herrschaft des Papstes stürzte, protestierte Pius IX. auf das schärfste und schleuderte gegen alle am »Raub des Patrimonium Petri« Beteiligten den Kirchenbann (Exkommunikation). Zwar nahm sein Nachfolger Leo XIII., der sein Pontifikat am 20. Februar 1878 antrat, die Verdammung nicht zurück, vollzog aber auf der Stelle einen Frontwechsel. Mit dem Gespür, das aus dem Jahrtausende alten Haß gegen alles Fortschrittliche erwuchs, hatte der Klerus die Gefahr erkannt, die 1876 durch die Gründung der sozialistischen Arbeiterföderation in Italien entstanden war, und reagierte. Der Hauptfeind waren nunmehr die marxistische Arbeiterbewegung und alle, die sich an ihre Seite stellten oder auch nur mit ihr sympathisierten, darunter selbst Reformer in den eigenen Reihen. Die Kurie bezog nunmehr offen Position für das kapitalistische Ausbeutungssystem als von Gott gewollter Ordnung. Das hieß nicht, daß der Feudalismus aufgegeben wurde. Dort, wo seine Überreste in Form von vorbürgerlichen Monarchien oder auch nur deren Überbleibseln, aber auch von politischen Strömungen und Sammelbecken reaktionärer Kreise weiter existierten, hatten (und haben noch heute) die volle Unterstützung aus Rom.
Der Bogen des kurialen Bündnisses spannt sich von der Unterstützung der faschistischen Aggressionskriege der Regime Hitlers und Mussolinis über die Rettung von Nazi- und Kriegsverbrechern vor ihrer Bestrafung nach 1945 (auf der »Rattenlinie« nach Südamerika) zum Beitrag zur Reorganisation des Faschismus in Italien und der Aufnahme seiner Vertreter in die Regierungen unter dem Medientycoon Berlusconi. Er reicht zu den Seligsprechungen des Gründerpräsidenten des klerikal-faschistoiden Opus Dei, Escriva de Balaguer, und des früheren Erzbischofs von Zagreb, Kardinal Stepinac, in dessen Bistum zwischen 1941 und 1945 über eine halbe Million Serben ermordet wurden, durch Johannes Paul II. oder die der 498 Kreuzritter Francos, die im Priestergewand an der Niederschlagung der Spanischen Republik 1936-39 teilnahmen, durch Benedikt XVI. und dessen Versöhnung mit den klerikalfaschistischen Piusbrüdern.
In der Diskussion um die vermeintliche Kondom-Wende geht eines unter: der Papst hat einmal mehr seinen umstritten Vorgänger Pius XII. verteidigt. 14 Zeilen ist er lang, der vermeintliche “Tabubruch” des Papstes und er lässt sich so zusammenfassen: In “dem einen oder anderen” Ausnahmefall – etwa bei homosexueller Prostitution -, wo die Fortpflanzung ausgeschlossen, die Gefahr der Ansteckung mit HIV aber hoch ist, könne ein Kondom der erste Schritt zu einer verantwortlichen, zu einer Sexualität sein. Weiterhin bekräftige erneut der Papst dass sein Vorgänger Papst Pius XII. “mehr Juden das Leben gerettet hat als jeder andere”. Pius XII. war von 1939 bis 1958 Oberhaupt der katholischen Kirche. Ranghohe jüdische Vertreter werfen ihm bis heute vor, seine Stimme nicht oder zu wenig gegen die Vernichtung der Juden durch die Nazis erhoben zu haben. Benedikt hat seinen Vorgänger stets verteidigt. Dieser habe mit stiller Diplomatie sehr wohl versucht, verfolgten Juden zu helfen, so gut das möglich gewesen sei. Bereits 2008, aus Anlass seines 50. Todestages, hatte Benedikt XVI. seinen Vorgänger in Schutz genommen. Eugenio Pacelli, wie der Papst mit bürgerlichem Name hieß, habe sich nachdrücklich für Verfolgte eingesetzt, ohne dabei zwischen Religion, Ethnie, Nationalität oder politischer Orientierung zu unterscheiden, sagte Joseph Ratzinger damals bei der Gedenkmesse im Vatikan. Und er erkannte Papst Pius XII. per Dekret “heroische Tugenden” hinsichtlich seiner Beziehung zu Gott und seinem Glauben zu. Damit rückte der umstrittenste Papst der Kirchengeschichte der Seligsprechung und einer späteren eventuellen Heiligsprechung einen großen Schritt näher. Papst Benedikt ist in der Vergangenheit sowohl von Juden als auch von Katholiken mit Nachdruck aufgefordert worden, die Seligsprechung Pius’ ganz auszusetzen. Zunächst sollten sämtliche Archive zum Zweiten Weltkrieg ausgewertet werden, so die Forderung der Pius-Kritiker. Denn die Akten aus der Amtszeit von Pius XII. wurden noch immer nicht gänzlich für die Forschung freigegeben.
Papst Benedikt XVI. hat die Konzentrationslager der Nazis als «extreme Symbole des Bösen» bezeichnet. Sie seien ein Zeichen der «Hölle, die sich auf der Erde auftut, wenn der Mensch Gott vergisst, sich an seine Stelle setzt und sich das Recht anmaßt, über Leben und Tod zu entscheiden und darüber, was gut und was böse ist», sagte der Papst am Sonntag beim Angelus-Gebet in Castel Gandolfo. Benedikt gedachte zweier katholischer Märtyrer, Edith Stein und Maximilian Kolbe, die in Auschwitz umgekommen waren. Leider vergas er zu erwähnen, das sich vieleGeistliche und hohe Bischhöfe auch sehr gut mit dem NAZI-Regime arrangiert hatten. Ja sebst dem damalige Papst PIUS XII wird nachgesagt, er habe geschwiegen zu den “Symbolen des Bösen”! Und selbst der Papst Benedikt XVI. hat seine eigene Vergangenheit erfolgreich hinter sich gelassen und seine Biographie heiligenscheinlich gesäubert. Den auch er hatte braune Lehrer! Wir können nur hoffen, das dieser deutsche Papst nicht die Seligsprechung des Papstes Pius XII vornimmt. Als gläubiger Mensch muss man sich die Frage gefallen lassen, wo war Gott, während der NAZI-Herrschaft, im Urlaub?
3000 Seiten hat Pater Peter Gumpel für die Seligsprechung jenes Papstes zusammengetragen, dessen Rolle im Zweiten Weltkrieg umstritten ist. Pius XII. wird vorgeworfen, Antisemit gewesen zu sein und die Deportation römischer Juden in Kauf genommen zu haben. Die MDR/NDR-Dokumentation “Geheimnis Geschichte” zeichnet aber ein differenziertes Bild von Pius. Wenn es nach Pater Peter Gumpel ginge, würde Papst PIUS eher heute als morgen, selig gesprochen werden. Die Dokumentation zeigt aber eindeutig, daß der Papst eher völlig überfordert mit den Greultaten der Nazis war. Dokumente des Vatikan belegen, daß er doch über 4000 Juden vor den Nazis gerettet hat.
Es ist und bleibt ein dunkles Kapitel der Geschichte des Vatikans, den offen hat er sich nie gegen die Nazis gestellt. Leider geht die Dokumentation nicht auf die fragwürdigen Aktivitäten von Papst Pius XII. nach dem 2. Weltkrieg für die Schaffung der sogenannten Rattenlinie ein. Über diese Route haben es hochrangige Nazis geschafft, sich nach Südamerika abzusetzen. Als Resümee bleibt, es währe sehr fatal, wenn ausgerechnet ein deutscher Papst, den Papst Pius XII. selig sprechen würde.
Nazis auf der Flucht: Wie der Vatikan und das Rote Kreuz mitwirkte
Schon im Oktober 2007 berichtete Kirchensumpf über die sogenannte Rattenlinie. Der Fluchtweg hochrangiger Nazis nach Argentinien, auch möglich gemacht, durch die katholische Kirche. Das Online Magazin profil.at hat jetzt darüber einen Artikel veröffentlicht, mit neuen Erkenntnissen und interessanten Zusammenhängen. Der Tiroler Historiker Gerald Steinacher hat nach intensiver Quellenarbeit die „Rattenlinie“, auf welcher Nazi-Schergen wie Adolf Eichmann und Josef Mengele entkamen, nachgezogen. Steinachers Schluss: Es waren nicht irgendwelche geheimen SS-Bünde wie die sagenumwobene „Odessa“, die den Kriegsverbrechern den Weg nach Übersee wiesen, sondern zwei Institutionen, die über solchen Verdacht erhaben schienen: der Vatikan und das Rote Kreuz.
Datenbank “Religio”, Jena - Das elektronische Informationssystem über Sekten, neue religiöse und ideologische Gemeinschaften und Psychogruppen in Deutschland
Die Laizisten - Petition gegen Religionsunterricht beim Bundestag
Ex-Heimkinder - Ursachen, Folgen und Auswege aus institutioneller Heimerziehung.