
Der Fall des Kapuzinerpriesters, der gestanden hat, 1992 seinen eigenen Neffen missbraucht zu haben, ist weit gravierender als bisher bekannt. Die Freiburger Justiz verdächtigt ihn, sich während fast 40 Jahren an 24 Knaben in der Schweiz und Frankreich vergangen zu haben. Der Fall des Kapuziners wurde im Januar dieses Jahres bekannt, nachdem die französischen Behörden den jurassischen Generalstaatsanwalt ersucht hatten, den Mönch einzuvernehmen. Der Kapuziner lebte damals im Kanton Jura. Der heute 68-jährige Kapuziner werde sich in der Schweiz oder Frankreich vor Gericht verantworten müssen, sagte die Freiburger Untersuchungsrichterin Yvonne Gendre in Freiburg vor den Medien. Sie präsentierte die Resultate ihrer Ermittlungen gegen mehrere der Pädophilie verdächtigte Priester. Die Staatsanwaltschaft von Grenoble (F) werde in Kürze die Akten erhalten, sagte Gendre weiter. Die französische Justiz sei zuständig, weil der Kapuziner die nicht verjährten Fälle im Schweizer Nachbarland begangen habe. Nach der Einvernahme des Kapuziners sei die Zahl auf 22 gestiegen. Zwei weitere Verdachtsfälle habe eine nach Bekanntwerden der Pädophiliefälle eingesetzte Kommission des Bistums Lausanne-Genf-Freiburg gemeldet. Der Kapuziner soll sich erstmals im Jahr 1958 an einem Knaben vergangen haben. Damals studierte er in einem Walliser Internat. Der letzte Missbrauch soll 1995 in Frankreich begangen worden sein. Strafrechtlich verfolgt werden kann nur ein einziger Fall, der sich 1995 in Frankreich in der Region Grenoble ereignet haben soll.



