Nachdem der Traditionalistenbischof Richard Williamson jetzt erst nach Prüfung “historischer Beweise” seine Äußerungen zum Holocoust revidieren will, wird der Papst wohl noch mehr in Erklärungsnot geraten. Selbst in seiner bayrischen Heimatstadt ist man mittlerweile geteilter Meinung. Kirchensumpf ist ja bekanntermaßen ein Fan der bayrischen Fernsehsendung “quer” mit Christoph Süß. Dort gab es letzten Donnerstag wieder eine schöne Zusammenfassung der Geschehnisse um den Vatikan. Sehr sehenswert seine Einschätzung nach dem Beitrag (letztes Drittel des Videos) zur Schuldfrage.
Bischof Müller und Posselt
Wir geben es ja zu, die Reden der deutschen Bundeskanzelerin Merkel strotzen nun mal nicht von inhaltlichen Ansprüchen. Aber manchmal sagt sie etwas, was man nicht überhören kann. So jetzt geschehen in Bezug auf den Vatikan und seinem Papst. In der Auseinandersetzung um die Holocaust-Leugnung des Traditionalistenbischof Richard Williamson hat der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deswegen jetzt scharf angegriffen. Hanke nannte es am Mittwoch bestürzend, “wie derzeit sogar von offizieller staatlicher und politischer Seite die Integrität von Benedikt XVI. in Frage gestellt wird”. Bischof Gerhard Ludwig und Bischof Gregor Maria Hanke sind von je her, gegen den Fortschrift, ob in Kirche oder Staat. Wer Kritik am Papst übt, wird beseite geschoben, so unlängst Ulrich Hemel, der als Präsident der katholischen Universität Eichstädt im Gespräch war. Hemel gilt als brillanter Theologe und als Grenzgänger zwischen Kirche und Wirtschaft; 2003 wurde er zum “Manager des Jahres” gewählt.
Auch der CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt warnte Merkel davor, “sich weiterhin als Lehrmeisterin des Papstes zu gerieren”. Noch so ein Rückgewandter und ewig gestriger. Bernd Posselt ist seit 1997 Landesvorsitzender der Union der Vertriebenen seit 1998 Präsident der Paneuropa-Union Deutschland und seit 2008 Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe. Die Paneuropa-Union ist ein »Werbeverein für ein extrem konservatives Europa« geworden, die an der Forderung nach einem starken Europa unter Führung eines Deutschlands in den Grenzen von 1937 festhält. Somit wird mal wieder deutlich welche rechtskonservativen Kreise eng mit der deutschen katholischen Kirche und dem Vatikan zusammenarbeiten. Sie alle würden so gern das Rad der Geschichte zurückdrehen.
Pierre Wils
Die Proteste gegen die Personalentscheidungen des Papstes werden immer massiver. Auch erste Kirchenaustritte gibt es schon. Aus Protest gegen die Rehabilitierung der Piusbrüder und speziell des Holocaust-Leugners Williamson trat jetzt der bekannte belgische Theologe und Ethiker Prof. Jean-Pierre Wils aus der Kirche aus.
Ich will nicht mehr mit dem anti-modernen, anti-pluralistischen und totalitären Geist dieser Kirche identifiziert werden, die Priesterbrüderschaft sei eine «extrem reaktionäre und zutiefst antisemitische Gruppe, die mit Diktatoren und rechtsgerichteten Regimen sympathisiere.
Wils wirft den Traditionalisten vor, ein völlig falsches Bild des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zu haben. Nach deren Zerrbild sei es von Juden und Freimaurern manipuliert worden. Das Konzil verwarf die lange in der katholischen Kirche verbreitete Sicht, das jüdische Volk für den Tod Christi verantwortlich zu machen. Und es hob auch die Verpflichtung, die Juden christlich missionieren zu müssen, auf. Zuvor hatte sich als erster katholischer Oberhirte in Deutschland der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, öffentlich vom Beschluss des Papstes distanziert.
Zauberei ist ketzerisch
[Update 15.02.2009] Der ultrakonservative österreichische Priester Gerhard Wagner hat auf das Amt als Weihbischof von Linz verzichtet. Der 54-jährige Wagner, der von Papst Benedikt XVI. gegen den Willen der meisten Bischöfe ernannt worden war, bat den Vatikan nach eigenen Angaben, seine Ernennung zurückzunehmen. Liberale Pfarrer in Oberösterreich wollten in der kommenden Woche eine Art katholisches «Volksbegehren» gegen Wagner starten. Die Zahl der Kirchenaustritte war seit seiner Ernennung zum Teil um das Vierfache gestiegen.
Eine neuerliche umstrittende Personalentscheidung des Papstes mach die Runde. Benedikt XVI. ernannte den ultrakonservativen österreichischen Priester Gerhard Wagner zum neuen Weihbischof der Diözese Linz. Der 54-Jährige, der bislang in der Gemeinde Windischgarsten tätig war, war 2005 mit einer Bemerkung über den Hurrikan Katrina aufgefallen, der schwere Schäden in der US-Grossstadt New Orleans angerichtet und zahlreiche Menschen das Leben gekostet hatte. Dies sei eine Strafe für die Sünden in New Orleans, erklärte Wagner damals laut einer Meldung des katholischen Nachrichtendienstes Kath.net. Dort seien nicht nur Nachtclubs und Bordelle, sondern auch Abtreibungskliniken zerstört worden. Österreichische Medien berichteten, Wagner habe auch die «Harry Potter»-Bücher verurteilt, weil sie Zauberei verherrlichten.
Der Ratzinger bestätigt hiermit die erzkonservative Haltung des Vatikans. Toleranz gegenüber anderen Religionen, Bevölkerungsgruppen und Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, ist dem Vatikan völlig fremd. Kirchensumpf ist schon auf die neuen Verteidigungen des deutschen Bischofes Müller gespannt.
Bischof Müller beim
Fabulieren?
Der Bischhof Müller ist ja für seine aufrechte Haltung bekannt. Ob jetzt als offener KPE-Sympanthisant oder als Arbeitgeber für pädophile Priester. Und abends sitzt er in seiner Kemenate und fühlt sich verfolgt und fürchtet um seine mittelalterliche Religion, die ja jetzt schon von Kinderbücher bedroht werden. Holocaust-Leugnungen dagegen, sind für ihn nur “Herumfabulieren”. Wir erinnern:
Synonym für Fabulieren:
labern, sülzen, schmarren, schnattern, rumlabern, dumm rumquatschen, jmd. die Ohren vollquatschen, schwafeln, wolkig reden, sabbeln, brabbeln, rumgörschen, unsinn
Solche Fabulierer müssen natürlich dringend in die katholische Kirche zurück geholt werden. Herr Bischof Müller, können wir somit davon ausgehen, das auf der Kanzel also gar nicht gepredigt wird, sondern nur fabuliert wird? Das würde natürlich so einiges erklären.
Außerdem hat die Aufhebung der Exkommunikation des Bischofs Richard Williamson nichts mit der persönlichen Kenntnislage des Papstes zu tun. Woher kennt den Bischof Müller die persönliche Kenntnislage des Ratzingerpapstes. Aahh, wahrscheinlich hatte er eine Eingebung von Gott, soll in der katholischen Kirche ja schon mal vorkommen sein. Ob Gott dem Müller viel Hirn verabreicht hat, ist uns nicht bekannt. Das Müller jetzt meint, die Aufhebung der Exkommunikation von Williamson und seine Holocaust-Leugnung hätte nichts mit einander zu tun, wollen wir mal seinem übermäßiger Weihrauchmissbrauch zuschreiben. Der braune Gestank weht halt immer noch durch die katholische Kirche und den Vatikan.



