Warning: Parameter 1 to wpdb::escape_by_ref() expected to be a reference, value given in /home/kirchens/public_html/wp-content/plugins/db-cache-reloaded/db-module-wrapper.php on line 450
Kirchensumpf
   - Die Religion ist Opium für das Volk -
XHTML CSS RSS

Pferdeschamane Hempfling

hempfling2.jpgDie Affäre Hempfling
von Christiane Gohl

Equitania 1993 – Ein bunt bebildertes Buch sorgt für eine Messesensation: Klaus Ferdinand Hempfling, in der Pferdeszene bislang weitgehend unbekannt und von undurchsichtigem Vorleben, begeistert die Massen mit einem angeblich von Grund auf neuen, gewaltfreien Konzept zum Umgang mit Pferden, gewürzt mit einer Prise kruder Spiritualität. Die Idee entfacht einen Flächenbrand.
Zunächst wollen nur Freizeitreiter «mit Pferden tanzen», dann greift der Hype auch auf konventionelle Ställe über. In Folge beginnt ein fast beispielloser Aufstieg vom Pferdetrainer zum «Superstar». Die Presse spricht scherzhaft vom «Guru»; Hempfling selbst wählt später die Bezeichnung «Pferdeschamane». Anscheinend gefällt er sich immer besser in der Rolle des «spirituellen Lehrers» für Mensch und Tier – und scheint schließlich endgültig darin aufgegangen zu sein.
Seit einiger Zeit warnen Sektenbeauftragte beider Amtskirchen vor Hempfling und seiner Lehre. Frühere Anhänger fühlen sich betrogen und ausgenutzt, angeblich wurden Familien zerstört und gewaltige Geldbeträge veruntreut. über die Richtigkeit dieser Anschuldigungen werden Gerichte entscheiden.Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Welche Mechanismen bewirkten den Umschwung von Bewunderung zu Anbetung? Was muss ein Ausbilder bieten, damit aus Reitschülern «Gläubige» werden?

GESCHICKTES SPIEL MIT DEN MEDIEN

Ein Film, ein Buch, ein Auftritt, die einen bislang unbekannten Künstler zum Star machen – solche märchenhaften Geschichten gehören eigentlich mehr in die Glitzerwelt Hollywoods als ins Umfeld von Reken und Warendorf. Mit Hempfling begegnet uns jedoch von Anfang an ein neuer Typ von Aufsteiger im Pferdebereich. Während frühere Szene-Stars ihr reiterliches Können auf Turnieren und Schauen unter Beweis stellten und dann mehr oder weniger von der Fachpresse «entdeckt» wurden, gestaltete er seinen Aufstieg und sein Image weitgehend selbst. Dazu gehörte ein geschicktes Spiel mit den Medien. Hempfling wurde nicht aufgebaut, sondern bot sich an. Und er kam von Anfang an als «Package»: Der hochbegabte Selbstdarsteller lieferte nicht nur Artikel und später Bücher, sondern auch ansprechende Bilder zu ihrer Illustration. Die Texte enthielten nicht nur «Lehre», sondern «Mythos»; Sagen und Märchen verbanden sich mit Inhalten zu einer Art «Gesamtkunstwerk», das nur wenige Medienvertreter kalt ließ. Dazu bewies Hempfling Hartnäckigkeit. Lehnte ein Fachblatt seine Artikel mit dem Hinweis auf mangelnde Sachkenntnis ab, so druckte sie eben ein anderes, Das alles ging so lange gut, wie sich die Inhalte der Texte weitgehend um fremde Länder und Sitten woben – Hempfling prägte hier vor allem ein Spanienbild, das von der Realität zwar weit entfernt ist, letztlich aber wenig Schaden anrichtete. Als es dann endlich um Fachkenntnis in Sachen «Pferde» ging, hatte der «Guru» die Massen bereits bezaubert. Kein Fachblatt wagte eine offene Demontage. Stattdessen versuchten viele, auf den Zug «Hempfling» aufzuspringen: Sonst seriöse Zeitschriften baten um Kolumnen und druckten die Texte ungeprüft – auch dann noch, als darin immer mehr verfälschte Bibelzitate und andere religiöse «Quellentexte» auftauchten.
Erst als Hempfling 1999 dubiose Veranstaltungen mit Voodoo-Priestern durchführte – Passenderweise Vertretern eines Stammes, der nie mit Pferden zu tun hatte -, wurde dem größten Teil der Fachpresse die Sache zu dumm. Die Berichte über Hempfling verstummten, sein Buch «Der Pferdeschamane» wurde nicht mehr besprochen und analysiert. Der Hype um Hempfling begann abzuflauen – aber der Mehrheit entging damit auch sein Umschwung vom «Pferdetrainer» zum «Pferdepriester».

EIN MANN MIT CHARISMA

Klaus Ferdinand Hempfling galt in der Pferdeszene stets als «umstritten». Tatsächlich traf das jedoch nur auf die Basis zu. Die Fachwelt witzelte stattdessen eher, der Mann habe «die Szene geeint ». Denn welche Diskrepanzen man untereinander auch hatte: In der Einschätzung des «Pferdeschamanen» trafen sich Hardliner bis Tierschutzbewegte. Wer immer beruflich mit Pferden zu tun hatte und mit verschiedenen Reitweisen und Bodenarbeitsmethoden vertraut war, identifizierte sehr schnell die Versatzstücke, aus denen sich Hempflings Techniken zusammensetzten. Umstritten waren hier nur die erwarteten Auswirkungen, die der Hype um den «Pferdeschamanen» auf die gesamte Pferdewelt haben würde. Optimisten hofften auf eine allgemeine öffnung für pferdefreundlichere Ausbildungsmethoden und artgerechte Haltung; Pessimisten warnten vor einem weiteren Umsichgreifen des «Reitminimalismus» – denn dass mit Hempflings Hilfe niemand in den Sattel, geschweige denn zur klassischen Reitkunst käme, war jedem Profi klar. Diskutiert wurden weiterhin die Ursachen der «Volksbewegung». Was bot Hempfling, was andere nicht boten? Was ließ gerade ihn zum Superstar aufrücken? Die Antwort war natürlich: Charisma. Kein Roberts und nicht einmal ein Redford flüsterte so charmant und redegewandt wie der «Pferdeschamane ». Keiner stoppte den Hengst mit so sexy Hüftschwung, keiner hielt dazu so aufwühlende Reden. So waren es denn auch vor allem Frauen, die an Hempflings Lippen hingen. Der «Pferdeschamane » verkörperte den «Traumprinzen » – gut aussehend, der Gewaltlosigkeit verpflichtet und dennoch dominant, und immer ein wunderschönes Pferd am Zügel. Dazu versprach er schnelle Erfolge mit Pferden bei verhältnismäßig wenig Aufwand:
Wer sich dem Pferd nur mit der richtigen «Ausstrahlung’, und «Energie” nähere, für den würde es alles tun – Piaffe und Passage auch ohne die lästige, vorhergehende Gymnastisierung, ohne «Blut, Schweiß und Tränen”. Letztere flossen dann angeblich doch noch reichlich – zumindest bei den Angehörigen der Selbsthilfegruppe von Hempfling- Aussteigern, die sich vor kurzem in Augsburg formierte. Etwa ein Dutzend von ihnen versucht inzwischen, die Erfahrungen mit dem «Pferdeschamanen” mit psychologischer Hilfe aufzuarbeiten. Letztendlich beließ es Hempfling nämlich nicht beim Bücherschreiben und Kursen in «seiner” Ausbildungsmethode. Besonders, als sein Anhängerkreis langsam zusammenschrumpfte, scharte er die verbliebenen «jünger>’ umso enger um sich, gewann seine krude Philosophie immer mehr Raum vor dem Umgang mit dem Pferd.

«SCHULEN» UND «GEMEINSCHAFTEN»
«Er hat gesagt, dass er ein Volk gründen möchte und dass wir uns quasi als Auserwählte sehen sollten…» So formuliert es Siegrid Kreile, eine frühere Anhängerin, die dem «Guru» auf seine Finca in Spanien folgte. Das Anwesen bei Girona sollte zunächst Hempflings «Akedah»-Schule beherbergen, ein Reitinstitut, das zur Belustigung der Fachwelt nur Totalanfänger aufnehmen und innerhalb von drei Monaten zum Lehrer nach Hempfling ausbilden wollte. Vorerfahrungen mit Pferden hätten die «Auserwählten» nur «verdorben». Später war, Aussteigern zufolge, ein Projekt zur gemeinsamen, gänzlich autarken Lebensgestaltung geplant.
Dem sollte allerdings eine «Läuterung» der künftigen Teilhaber vorausgehen: «Dann hat er mal gesagt, (…) wir wären noch nicht so weit, wir müssten noch an unserer Persönlichkeit und an unserem Charakter arbeiten.» Letzteres anscheinend mittels des bewährten Konzeptes von «ora et labora»: «Wir waren jeden Tag auf der Finca und haben von früh bis spät gearbeitet. … Er sagt immer, wir hätten eine Aufgabe zu erfüllen, das ist der Wille des Himmels, wir könnten nicht mehr zurück …»
Dennoch wurde zunächst zumindest das Spanienprojekt gestoppt – angeblich aus Angst vor der Steuerfahndung. Nach diversen Verwicklungen in Deutschland – auch damit beschäftigen sich zurzeit die Gerichte – folgte Hempfling seiner dänischen Ehefrau nach Faaburg in Dänemark. Dort ließ er das Projekt «Akedah»-Schule wieder aufleben, diesmal erheblich professioneller. Der Lehrplan des zweifelhaften Institutes liest sich wie der einer Universität. Innerhalb von drei Jahren kann der Titel eines «Akedah- Horse- Therapist» erworben werden – natürlich gegen horrende «Studiengebühren». Hempfling setzt einen Mindestpreis von 15000 Euro an – der allerdings nur erwiesenermaßen «Sozialschwachen» zugute kommen soll. Praktisch verlangt die Schule eine ausführliche Selbstauskunft über die persönlichen und familiären Vermögensverhältnisse, aus der sich dann der endgültige Preis ergibt. Immerhin werden die Berufschancen als hervorragend angegeben. Angeblich wartet die Welt – vom sozialen Bereich bis zur Managerschulung – nur auf den Akedah-Absolventen. Auch was die Werbung für das Institut angeht, backt Hempfling keineswegs kleine Brötchen. Die «Akedah PRAgentur » sucht derzeit nach einem Lobbyisten, der KFH «als Künstler/Schriftsteller/ Pferdemann» promotet. Unter anderem träumt der Held von Zusammenarbeit mit Gregor Gysi und Michel Friedmann, mit dem er sich über die bislang «ungeklärte Judenfrage» auseinander setzen möchte. Kommentar überflüssig.

SEKTE ODER WAS?

Selbstverständlich dementiert KFH lauthals seine Funktion als Sektengründer. Organisationen wie der Verein “Sekteninfo-Bayern” sehen das allerdings anders. Ihrer Meinung nach zeigen Hempflings Gruppen und Vereinsgründungen ganz klar Sektenmerkmale (Ein “Meister” im Besitz der “Wahrheit”, Kritik unerwünscht, Abgrenzung der Gruppe von der restlichen Welt). Auch sonst trug Hempflings Philosophie von vorneherein pseudoreligiöse Züge: Das Pferd als Mythos, als Symbol für Kraft und Güte, das dem Menschen spiritueller Führer sein kann; der Hengst, der alles Leid der Welt auf sich nimmt, um dem quälenden Menschen Spiegel zu sein, dazu die “globalen Tagesbotschaften des Pferdeorakels “, die Hempfling bis 2001 im Internet veröffentlichte – das alles erinnert schwer an alte Kulte, die das Pferd zum Gott erhöhten. Zudem wählte der Guru ja auch selbst den Titel “Schamane”, also “Priester” – eine Gedankenverbindung zur 18-Jul-2006 Projekten berichten weiterhin von ausgesprochener Despotie ihres Führers, cholerischen Ausbrüchen und Androhung von Konsequenzen, wenn jemand die Gruppe wieder verließe. Auch dies typisch für Sektengründer. Bleibt die Frage, wo die Pferde bei all dem blieben. Als ganz normale, haferkauende Lebewesen scheinen sie im Umgang des “Schamanen” mit seinen Jüngern eine immer kleinere Rolle gespielt zu haben. Der “Tanz mit Menschen ” war auf die Dauer wohl doch interessanter. Sektenexperte Hubert Kohle fasst das mit den Worten zusammen: “Hempfling benutzt die “Schiene Pferd”, um Menschen von sich abhängig zu machen”. Und so stehen die Vierbeiner wohl wieder mal auf der Liste der “Ausgenutzten “. Denn ob man sie zum Sportgerät erniedrigt oder zum “Gott” erhöht – Mittel zum Zweck bleiben sie allemal; und die Priester der diversen “Pferdegötter” hatten selten Skrupel, ein Tier zu opfern.

Quelle: www.4pawsnet.de

bannkreis.jpg
Sigrid Kreile: Im Bannkreis des Pferdeschamanen
172 Seiten, Verlag IKS, 2005
ISBN-10: 3938203064
ISBN-13: 978-3938203064
Preis: 17,50€

FacebookTwitterEmail