Wunderdoktor Matthias Rath
Der deutsche Arzt Dr. Matthias Rath ist ein Verfechter der “Zellularmedizin”. In Broschüren und auf Veranstaltungen behauptet er, dass dadurch viele – zum Teil heute als unheilbar geltende – Krankheiten therapiert werden können: Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Diabetes, Krebs, Osteoporose, Alzheimer und nicht zuletzt Multiple Sklerose.
Raths Lösungen hören sich einfach an: “Herzkreislauferkrankungen sind keine echten Krankheiten, sondern die zwangsläufige Folge von einem Mangel an Vitaminen und anderen Biostoffen, welche die Zellen brauchen. Und wenn sie die nicht bekommen, dann wird das Organ krank.” Bei Dr. Rath gibt es die Vitamine (hauptsächlich Vitamin C) und Biostoffe (z.B. Lysin und Prolin) zu kaufen. Eine Dose kostet zwischen 18 und 42 Euro. Tausende Patienten glauben inzwischen, dass diese Präparate sie gesund machen können.
Keine Anhaltspunkte für die Wirkung
Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) in Bonn ist für die Zulassung von Medikamenten in Deutschland zuständig. Hier ist man von der Wirkung der “Dr.-Rath-Pillen” nicht überzeugt, erklärt Dr. Christian Steffen: “Anhaltspunkte dafür, dass sie bei Herzinfarkt oder Krebs wirken, haben wir nicht.” Außerdem wartet Dr. Steffen bis heute auf einen Zulassungsantrag für die oft hoch dosierten Vitaminpillen: “Hochdosierte Vitamine gelten in Deutschland als Arzneimittel. Arzneimittel brauchen eine Zulassung, in der die Qualität und die Wirksamkeit belegt werden muss. Offensichtlich ist Dr. Rath nicht in der Lage, diese Wirksamkeit zu belegen. Sonst hätte er eine Zulassung beantragt.” Doch Dr. Rath verkauft auch so, da er seine Geschäfte vom holländischen Ort Almelo aus betreibt. In einem Callcenter werden dort rund 400.000 Kunden betreut. Der Jahresumsatz beträgt nach Schätzungen rund 100 Millionen Euro.
Methoden von Dr. Rath sind “abenteuerlich“
Rund 35.000 “Berater” helfen nach Schätzungen bei der Vermarktung der auf dem deutschen Markt nicht zugelassenen Medikamente. Die Berater werden von Dr. Rath mit Informationen über die Anwendung der Vitaminpräparate bei den unterschiedlichsten Krankheiten versorgt. In einer Broschüre heißt es: “Patienten, die diesem Vitaminprogramm folgen, brauchen in der Regel keine Herztransplantation mehr und können von der Warteliste für ein Spenderherz gestrichen werden.” Mediziner, wie die Ärzte im nordrhein-westfälischen Herzzentrum, sind entsetzt über solche Behauptungen. Sie nennen die Methoden von Dr. Rath “abenteuerlich”. Auch die Schweizer Krebsliga hat sich die Wirkungsversprechen von Dr. Rath angesehen und kommt in einer Studie zu dem Schluss: “Es gibt keinen Beweis dafür, dass die von Matthias Rath verkauften Präparate (…) nützlich bei der Krebsvorbeugung sind.” Für Matthias Rath und seine Anhänger sind das nur weitere Belege dafür, wie sehr Ärzte, Verbände und Medien von der Pharmaindustrie gesteuert werden.



